Dreieinhalb Jahre Haft: Bei Tankstellenräuber Marc E. bleiben Hintergründe zur Tat im Unklaren

Tankstellenräuber kommt hinter Schloss und Riegel

+

Uelzen. Im Prozess um schwere räuberische Erpressung und einen besonders schweren Raub hat der Uelzener Marc E. Glück gehabt, vor dem Jugendschöffengericht in Uelzen verklagt worden zu sein: Zu dreieinhalb Jahren Haft wurde der 19-Jährige gestern verurteilt.

Wenn er nach dem Erwachsenen-Strafrecht eingestuft worden wäre, hätte er mit acht bis zehn Jahren Freiheitsstrafe rechnen müssen. Das machte seine Rechtsanwältin Wiebke Schröder deutlich, die für eine Jugendstrafe von drei Jahren plädiert hatte.

„Es ist eine erhebliche kriminelle Energie zu erkennen“, erklärte die Vorsitzende Richterin Angela Neßelhut bei der Urteilsverkündung. Zudem sei „eine Steigerung zu erkennen in den immer kürzer werdenden Abständen“. Besonders die Bedrohung der Angestellten in der Spielhalle durch eine Schreckschusspistole und das Hineingreifen in die Kasse zeige eine schwere Schuld.

Doch trotz Aufklärung der Taten von Marc E. bleiben einige Hintergründe im Unklaren. So ließ er sich für die Überfälle von Freunden zur Spielhalle in Bad Bodenteich oder zur Shell-Tankstelle in Melbeck bringen, denen er anschließend auch Fahrgeld gegeben habe. Allerdings gab er die Namen der Fahrer nicht preis. „Ich werde das Gefühl nicht los, dass hier noch mehr dahinter steckt“, sagte dazu Staatsanwalt Thomas Naumann. Er spekulierte, dass Marc E. fremdgesteuert gewesen sei und dass „andere ihn dazu veranlasst haben, vielleicht auch durch Anwendung von Drogen, diese Überfälle auszuüben“. Das Geld habe der Angeklagte zumindest in Teilen auch wieder abgegeben, betonte Naumann.

Marc E. waren bereits im vergangen Jahr und Anfang 2012 diverse Diebstähle zur Last gelegt worden. So hatte er aus dem Mehrgenerationenzentrum in Ebstorf einen Flachbildfernseher entwendet. Es folgten Diebstähle von Zigaretten und DVDs, die der Angeklagte jedoch bestritten hatte.

In diesem Jahr verübte er noch während der anderen Verhandlung die fünf Raubüberfälle auf Tankstellen und eine Spielhalle. „Es ist schon ganz schön heftig, wenn man eine Ladung zu einer Hauptverhandlung erhalten hat, dann trotzdem loszuziehen und Straftaten zu begehen“, betonte Neßelhut. Seine Zeit in der Jugendhaftanstalt Hameln solle der 19-Jährige dazu nutzen, eine Ausbildung zu absolvieren.

Dass Marc E. die Raubüberfälle nach eigener Aussage stets in stark alkoholisiertem Zustand ausgeübt habe, wertete das Gericht nicht als strafmildernd. Es werde zwar ein „schwerer Alkoholmissbrauch“ deutlich, jedoch habe er von dem erpressten Geld keine Sucht finanzieren wollen, sondern unter anderem Kleidung und Schmuck bezahlt, waren sich die Juristen einig.

Von Diane Baatani

Kommentare