Gestiegene Übernachtungszahlen im ersten Quartal

Urlauber-Hoch in trüben Zeiten?

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Anke Steffen, Leiterin der Stadt- und Touristinformation Uelzen (links(, und Touristikerin Monika Borchardt vom Suderburger Land informierten die Besucher der „Altonale“ über die Urlaubsmöglichkeiten im Landkreis.

Uelzen. Rügen kann mit Westerweyhe nicht mithalten – beim Wetter. Tjitte Meijer aus den benachbarten Niederlanden campte mit der Familie auf der Ostsee-Insel. Der Regen und die kühlen Temperaturen haben ihn aber die Zelte dort abbrechen lassen.

Sie stehen jetzt auf dem Campingplatz im Uelzener Ortsteil. Bei angekündigten mehr als 30 Grad in dieser Woche lässt es sich hier gut aushalten, bevor es zurück in die Heimat geht. Die Betreiber des Uhlenköper-Camps setzen auf die schönste Juliwoche, damit noch mehr Gäste kommen. Witterungsbedingt fehlten ihnen in dieser Saison vor allem „die Kurzentschlossenen“, sagt Michaela Paul. Ein Trend auch für andere Touristiker und die Region insgesamt? Oder trotzen die Urlauber dem Wetter?.

Der Deutschland-Tourismus profitiert in diesem Jahr von der Weltlage. Terror in Frankreich, Putschversuch in der Türkei – beliebte Reiseorte für Deutsche. Und auf den Balearen wurde zum 1. Juli eine Touristen-Steuer eingeführt; Urlauber müssen tiefer in Tasche greifen. Gründe, im eigenen Land Urlaub zu machen, auch wenn das Wetter wie in südlicheren Gefilden nicht so mitspielt? Für die Heideregion liegen genaue Zahlen zum Urlauber-Aufkommen bisher nur für die ersten vier Monate vor. Ein sattes Plus bei den Übernachtungen vermeldet die Lüneburger Heide GmbH für die Landkreise Uelzen, Lüneburg, Celle, Harburg und Heidekreis. Die Zahl der Übernachtungen stieg im Vergleich zum Vorjahr um 5,7 Prozent – und schon 2015 waren die Touristiker zufrieden. Ulrich von dem Bruch, Geschäftsführer der Lüneburger Heide GmbH: „Auf Basis der sehr hohen Vorjahreswerte weiterhin ein so starkes Wachstum zu erreichen, erfreut uns sehr.“

Mit Tiefenschärfe lässt sich erkennen, dass die positive Entwicklung auch im Landkreis Uelzen spürbar war. „Die Übernachtungszahlen im Uelzener Stadtgebiet und den Ortsteilen waren höher als im Vorjahr“, bilanziert Anke Steffen, Leiterin der Stadt- und Touristinformation, im Gespräch mit der AZ. Ein Beispiel aus der Statistik: Wurden im März 2015 in der Stadt 3559 Übernachtungen gezählt, waren es in diesem Jahr im März 4528 Übernachtungen.

Und jetzt in einem durchwachsenen Sommer? „Richtig viele Urlauber“ finden in diesen Wochen den Weg in die Stadt- und Tourist-Information in Uelzen, weiß Steffen. Darunter „besonders viele Fahrradfahrer“, so die Tourismus-Expertin.

Im Frühjahr wurde der Landkreis Uelzen vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club zu einer besonders lohnenswerten Urlaubsregion für Radtouristen erklärt. Wie Jürgen Clauß, Geschäftsführer des kreisweiten Tourismusverbandes „Heideregion Uelzen“, erklärt, habe diese Auszeichnung bereits Früchte getragen: „Wir erlebten eine spürbare Nachfrage, auch von Reiseanbietern.“ Der Landkreis Uelzen sei zurzeit das einzige Gebiet in Norddeutschland, das vom Fahrrad-Club als Radreiseregion zertifiziert worden sei. Ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem die Touristiker werben – wie auch nun in den vergangenen Tagen auf der „Altonale.“

Über 500 000 Menschen besuchen jährlich das Hamburger Kulturfestival „Altonale“, informiert die Heideregion. Der Landkreis Uelzen war mit Ständen dort vertreten, um die Werbetrommel zu rühren. „Die beliebte Ausflugskarte, die bei der ,Altonale‘ kostenlos ausgegeben wird, ist mit ihren vielen Vorschlägen immer eine ideale Möglichkeit, um die Hamburger für einen Besuch unserer Region zu begeistern“, so Steffen.

Wenn Urlauber dennoch unentschlossen sein sollten, ob sie nicht doch noch eine Reise ins Ausland buchen sollte, so gibt es zumindest dank des wechselhaften Wetters doch auch ein Argument für die Heide: Wegen der zahlreichen Niederschläge erwarten die Touristiker eine so frühe Heideblüte wie lange nicht mehr. Sie soll noch im Juli starten – davon hätte dann auch die Familie von Tjitte Meijer aus den Niederlanden noch etwas.

Von Norman Reuter

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