AZ-Online-Redakteur gibt Tipps bei "Kochs Klick" 

Unsichtbar im Netz: So kann wirklich jeder anonym surfen

+
Auf torproject.org gibt es den kostenlosen Browser zum Herunterladen.

Uelzen. Wir müssen uns wohl vom Gedanken verabschieden, dass unser Surf-Verhalten im Internet Privatsache ist, oder? Schließlich ist es doch egal, ob wir bei Google etwas suchen, wir bei Amazon ein paar Topflappen betrachten oder einfach nur Fotostrecken ansehen – unser Verhalten im Netz wird getracked, also gespeichert und analysiert.

Was können wir dagegen tun?

Kurzgesagt: eine ganze Menge. Genaugenommen ist es sogar ziemlich einfach, den allzu neugierigen Blicken der Platzhirsche im Netz die Sicht zu versperren: mit dem Tor-Browser.

Was einst damit begann, Oppositionsbewegungen in autokratischen Staaten den unzensierten und anonymen Zugang zum Internet zu ermöglichen, ist heute die denkbar simpelste Lösung für jeden, seine Spuren im Netz zu verschleiern. Den plattformübergreifenden, kostenlosen und vollkommen legalen Tor-Browser kann jeder auf torproject.org herunterladen. Die Installation und Einrichtung ist selbstverklärend und läuft nahezu automatisch.

Im Gegensatz zu anderen Browsern, wie etwa Chrome oder dem Internet Explorer, steuert der Tor-Browser (ein modifizierte Firefox-Browser) die gewünschte Ziel-Adresse im Netz nicht direkt an, sondern über eine Reihe so genannter Proxy-Server. Stellen wir uns diese Server-Reihe vor wie eine Karawane Elefanten in einem Sandsturm, wobei jeder Elefant für einen Server steht: Jeder Elefant kann nur seinen „Vorder-„ und „Hintermann“ erkennen, nicht aber den Elefanten am Ende der Karawane und gleichzeitig den am Anfang. Keiner der Proxy-Server kennt also den ursprünglichen Absender der Netz-Anfrage und gleichzeitig den Empfänger: Die eigene IP-Adresse ist verschleiert.

Die Anonymität im Netz hat jedoch ihren Preis: Wer den Browser benutzt, wird schnell merken, dass sich die Seiten im Internet merklich langsamer öffnen. Das, was den Browser so sicher macht, ist auch gleichzeitig das, was ihn ausbremst: der Weg über viele verschiedene Server.

Ein weiterer Wermutstropfen: Videos anschauen, etwa auf YouTube, funktioniert nicht. Zumindest sollte man die Installation des so genannten Flash-Players im Tor-Browser nich vornehmen. Dieser ist zum Abspielen von Videos im Internet zwingend erforderlich, würde jedoch dem Tor-Browser seiner „Tarnkappe“ absetzen. Der Tor-Browser warnt einen davor, wenn man durch Veränderung der Einstellungen oder Installation von Erweiterungen (den Plugins) riskiert, nicht mehr anonym im Netz zu surfen.

Im Gegensatz zu den gängigen Internet-Browsern, legt der Tor-Browser keinen Verlauf der besuchten Webseiten an. Zusätzlich sind beim Neustart des Browsers die Daten, die besuchten Webseiten Rückschlüsse auf den Besucher geben könnten, gelöscht. Ein Beispiel: Uns wird nicht mehr personalisierte Werbung von besuchten Shopping-Seiten angezeigt, weil sich Webseiten nicht mehr an uns „erinnern“.

Der Tor-Browser wird heute millionenfach genutzt. Laut Aussage der Entwickler unter anderem von Unternehmen, Aktivisten, Journalisten dem Militär sowie Strafverfolgungsbehörden. Die Vorzüge des Tor-Browsers sind auch jenen bekannt, die nichts Gutes im Schilde führen: Bei hoch illegalen Machenschaften im Netz, ist häufig auch der Tor-Browser im Einsatz.

Fazit: Der Tor-Browser ist kostenlos, leicht zu installieren und wenn man an den Einstellungen und dem Installationspaket nichts verändert, ein sehr sicherer Weg, anonym im Netz zu surfen. Merkliche Einbußen gibt es jedoch bei der Geschwindigkeit und das Anschauen von Videos funktioniert nicht.

Von Michael Koch

Mehr zum Thema

Kommentare