Unmut in Uelzens Westen

Gruppenbild mit Spitzenkandidaten und Abgeordneten (von links): Landtagsabgeordneter Jörg Hillmer, Hans-Jürgen Stöcks (Uelzen-West), Günther Graf (Bevensen-Bienenbüttel), Landratskandidat Heiko Blume, Claus-Dieter Reese (Bodenteich-Rosche-Wrestedt), Stefan Hüdepohl (Uelzen-Ost) und Bundestagsabgeordneter Henning Otte (von links). Es fehlt Martin Oesterley (Ebstorf-Suderburg). Fotos: Huchthausen

Uelzen/Landkreis. Sowohl Kreisvorsitzender Jörg Hillmer als auch die Vorsitzende des Tagungspräsidiums, Heike Schweer, schworen die 127 Mitglieder der CDU am Donnerstagabend gleich zu Beginn der Mitgliederversammlung zur Aufstellung der Listen für die Kreistagswahl darauf ein, „fröhlich“ zu sein.

Und „einen freundlichen Umgang miteinander“ anzustreben – schließlich wolle man ja nach getaner Arbeit auch noch gemeinsam ein Bier trinken.

Knatsch gab es aber trotzdem an diesem Abend: Während die Listen für die Wahlbereiche I, III und IV so wie vorgeschlagen beschlossen wurden, gab es zu der Reihenfolge der Bewerber für den Wahlbereich II (Uelzen-West) und Wahlbereich V (Bodenteich-Rosche-Wrestedt) kontroverse Diskussionen.

Während nämlich der CDU-Stadtverband Uelzen den Veerßer Ortsbürgermeister Karsten Jäkel für den zweiten Platz auf der Liste vorgeschlagen hatte, wollte der Kreisvorstand hier Dirk Offermann sehen. Für Stadtratsfraktionschef und Spitzenkandidat für Uelzen-Ost, Stefan Hüdepohl, ein Ding der Unmöglichkeit: „Viele aus dem Stadtverband fühlen sich übergangen“, stellte er fest und appellierte, Karsten Jäkel auf Platz 2 zu setzen und Dirk Offermann auf dem Listenplatz 4 kandidieren zu lassen.

Weitere Fürsprecher Jäkels argumentierten, dass der Veerßer in der Vergangenheit gute Arbeit geleistet habe und in der Bevölkerung Vertrauen genieße. Anne Kratel spitzte die Debatte dann zu: „Es geht hier auch um die politische Arbeit, und mit dir verbinde ich keine politische Position“, sagte sie zu Offermann. Hinrich Heuer vom Veerßer Ortsrat kündigte schließlich „tief enttäuscht vom Kreisvorstand“ an, dass der Ortsrat nicht wieder antreten werde, sollte man Offermann, der sich nicht an vorherige Absprachen gehalten habe, auf Listenplatz 2 wählen. „Das ist Erpressung!“, schallte es da aus den Reihen der Mitglieder.

Dirk Offermann allerdings betonte, dass die „schauspielerischen Glanzleistungen“ der Vorredner „mit den Tatsachen nichts zu tun“ hätten. Er habe schlicht und ergreifend das Recht zu kandidieren und bestritt, dass es im Vorfeld anders lautende Absprachen gegeben habe. „Ich wundere mich, was hier für Mechanismen am Wirken sind“, schüttelte er den Kopf.

In der anschließenden geheimen Abstimmung erhielt Karsten Jäkel 83 von 117 gültigen Stimmen, Dirk Offermann bekam 31 Stimmen. Auf einem hinteren Listenplatz wollte Letzterer sich aber nicht wiederfinden und gab bekannt, nicht weiter für eine Kreistagskandidatur zur Verfügung zu stehen.

Strittig war außerdem die Vorschlagsliste für den Bereich Bodenteich-Rosche-Wrestedt, für die der Bodenteicher Claus-Dieter Reese als Spitzenkandidat aufgestellt worden war. Die Bodenteicher CDU wollte hier allerdings Edgar Staßar sehen, wie Ortsverbandsvorsitzender Werner Schulz erklärte. Claus-Dieter Reese solle demnach auf Platz 2 kandidieren. Man wolle die Verdienste Reeses nicht schmälern, so Schulz, aber es sei „gute Sitte, dass der Bürgermeisterkandidat auch auf Platz 1 steht“.

Gegenwind für diesen Vorschlag gab es sofort aus den Samtgemeinden Rosche und Wrestedt: Claus-Dieter Reese habe gute Arbeit im Kreistag geleistet, stellte Hans-Heinrich Weichsel (Suhlendorf) fest, weswegen er es auch „befremdlich“ finde, dass der Bodenteicher Ortsverband nun andere Ansprüche stelle. Heinz Hermann Schulze (Wrestedt) befand: „Es ist richtig, dass der, der die Arbeit leistet, auch unterstützt wird“, sprach er für Reese. Hätte man derlei Diskussionen geahnt, hätten sich die Wrestedter ja auch für den ersten Listenplatz bewerben können, so Schulze.

Das Votum der Mitgliederversammlung fiel schließlich zu Gunsten von Claus-Dieter Reese aus: 79 von 116 an der Abstimmung teilnehmenden Mitgliedern gaben ihm ihr Vertrauen, Edgar Staßar erhielt 37 Stimmen und kandidiert damit, wie anfangs vorgeschlagen, auf Platz 5 der Liste.

Von Ines Bräutigam

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