Stefan Thiemes Konzept regt Politik und Wirtschaft zu neuen Ideen an / Baudezernent verweist auf alte Pläne

„Unglaublich schöne Vision“

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So könnte Uelzen bald von oben aussehen - ein See mitten in der Innenstadt.

Uelzen. Einen Ilmenausee mitten in Uelzens Zentrum hält Architekt Stefan Thieme für den wichtigsten Werbefaktor der Stadt.

Bei der Vorstellung seines Stadtentwicklungskonzepts „Uelzen 2020 – Unser Weg in die Zukunft“ im voll besetzten Saal des Hotels Deutsche Eiche schlug der Wahl-Uelzener vor, die Ilmenau von der Katzenbuckelbrücke bis zur nächsten Brücke vor dem Ratsteich auszuweiten und mit der Bulleninsel inmitten des Sees zu einem Ort mit Aufenthaltsqualität zu machen. Das sei ein Katalysator dafür, dass junge Uelzener bleiben und Auswärtige gerne nach Uelzen kämen, meint Thieme. Wenn zudem das Kreishaus abgerissen werde und an der Stelle eine grüne Lunge entstehe, erhalte Uelzen den speziellen Vorzug, der der Stadt bislang fehle.

„Ilmenaustadt Uelzen – die Natur im Herzen und Hamburg vor der Tür“, lautet der Leitspruch des Konzepts, dass Thieme auf Einladung der Uelzener Stadtratsgruppe CDU/Grüne/UWG präsentierte – mitverantwortlich dafür ist der Uelzener Rechtsanwalt Florian Lücke. Und der Zusatz „Uelzen als naturverbundene familienfreundliche Bildungsstadt mit Tradition“ verbinde alle Faktoren, die seiner Meinung nach stärker hervorgehoben werden müssten.

In der Stadt gehe es immer nur um die Frage: „Wie schaffen wir es, dass Menschen in Uelzen alt werden können?“ Thieme aber hält es für viel wichtiger, sich damit zu beschäftigen, wie die Stadt attraktiv werden könne. „Wir müssen werben, dass Menschen hier bleiben, diese Stadt annehmen und auch andere Menschen für die Stadt begeistern“, sagt Thieme, „wir müssen besser sein.“ Und dazu müsse sich Uelzen auf die Natur, die Altstadt, Kinderbetreuung, den Anschluss an den HVV nach Hamburg und das Thema Bildung konzentrieren. Es werde ein Stadtentwicklungsmanagement gebraucht, appellierte er an das Publikum. „Wir haben überhaupt nicht mehr viel Zeit.“

Wir müssen wissen, was wir wollen und unsere (neuen) Bürger davon begeistern“, appellierte Stefan Thieme an das Publikum im Hotel Deutsche Eiche. Politiker, Wirtschaftsvertreter und private Interessierte zeigen sich von dem Stadtentwicklungskonzept zu Uelzens Zukunft motiviert. Ein Zuschauer bezeichnete das Konzept als „unglaublich schöne Vision“, weitere Uelzener stimmten ihm zu. Doch den Begriff „Vision“ will Thieme nicht hören. Für ihn ist das Konzept keine Utopie. Er fordert dazu auf, dass sich Stadtplaner nicht von Diskussionen um Parkplätze bremsen lassen, sondern sich auf das Potenzial der Stadt und der Altstadt zu fokussieren: Die Lüneburger und Veerßer Straße als Einkaufsmeile sehen, an der es zwischendurch Ruheorte geben soll, aber keine Leerstände, die die Einkaufsfreude stoppen. Das im Alten Rathaus geplante Café müsse beispielsweise die Möglichkeit haben, auf dem Kirchplatz eine Terrasse aufzubauen, so dass dort täglich eine Atmosphäre wie beim Weinmarkt und beim Weihnachtsmarkt im Schatten von St. Marien geschaffen werde, beschreibt Thieme, der in Flensburg als Architekt arbeitet und in Uelzen lebt.

Hochwasserverordnungen seien bei dem Ilmenausee-Konzept noch nicht berücksichtigt, räumte Thieme ein. Dennoch: „Wenn es einen Hauch einer Möglichkeit geben sollte, irgendwas davon umzusetzen, müssen wir unsere Bürger überzeugen und darin sehe ich ein Problem. Sobald sich irgendwas ändert, steht die ganze Stadt auf und schimpft“, ließ sich ein Zuschauer vernehmen. „Ich bin dafür, dass die Innenstadt und die Altstadt wieder mehr belebt wird“, sagte Juwelier Friedel Hennings. „Ich bin der Meinung, dass die Investoren das Marktcenter lieber dort ansiedeln sollten, wo Tep & Tap ist und hier neben dem Kreishaus eine Wohnanlage bauen können.“ Eine weitere Idee brachte Grünen-Ratsherr Bernd Ebeling ein. Er schlug vor, in der alten Kaufhalle einen Markt mit regionalen Produkten zu eröffnen. Und Susanne Meyn griff eine Praxis aus anderen Städten auf, in denen für die Betreuung in Kindergärten keine Gebühr erhoben werde. Das sei eine Chance für Uelzen, damit auch Berufstätige aus Hamburg oder Hannover zuziehen.

Baudezernent Karsten Scheele-Krogull freut sich über die neue Diskussion, die die Stadtratsgruppe aufgebracht hat. Die Idee, aus der Ilmenau einen See zu schaffen, sei jedoch nicht neu. Pläne über eine Stärkung der Grünflächen an der Ilmenau und „seenförmige Blasen, welche sich Richtung Herzogenplatz ziehen“, habe es schon gegeben. Allerdings müssten der Hochwasserschutz und der Naturschutz berücksichtigt werden. „Das ist mit immensen Kosten verbunden. Wir würden das gerne sofort aufgreifen, aber müssen gleichzeitig sehen, wie es finanziert werden soll.“

Und: „Eine Gestaltungssatzung wurde im Zuge der Stadtentwicklung lang und breit durchdiskutiert“, erinnert sich Scheele-Krogull. Zwischen Wunschvorstellung und Realität müsse aber unterschieden werden. „Die Gestaltungssatzung ist in der Schublade verschwunden, weil der Widerstand zu groß geworden ist, da der Eigentümer oder die Eigentümerin letztlich nicht gegängelt werden wollte.“

Von Diane Baatani

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