Ungebetene Gäste

Privatpersonen müssen ihre WLAN-Router mit einem Passwort schützen, sonst können sie haftbar gemacht werden.

Uelzen/Landkreis - Von Michael Koch. Privatpersonen müssen ihre WLAN-Router ausreichend sichern, anderenfalls drohen ihnen Abmahnungen, wenn ein Dritter den Internetzugang für illegale Downloads nutzt. Das hat jetzt der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden. „Das Urteil liegt aber noch nicht begründet vor“, sagt der Uelzener Fachanwalt für IT-Recht, Jochen Springer.

So ist beispielsweise noch nicht klar, in welcher Höhe sich die Abmahnkosten bewegen. Von 100 Euro war in den Medien die Rede. „Ich denke aber, die Kosten liegen weitaus höher“, so Springer. Grundsätzlich werde Privatleuten durch das jüngste Urteil aber der Rücken gestärkt, was ihre Pflichten angeht. „Es reicht, wenn die Router mit den jeweils marktüblichen Sicherungen versehen werden“.

Marktüblich, das sind die derzeit sogenannten WPA-2-Verschlüsselungen. „Etwas, das jeder heute handelsübliche Internet-Router kann“, sagt der Jurist. Das Passwort, das durch diesen Verschlüsselungs-Standard chiffriert wird, „sollte mindestens 20 Zeichen lang sein und aus Groß- und Kleinbuchstaben sowie Sonderzeichen und Zahlen bestehen“, empfiehlt Springer. Vermeiden sollte man vollständige und sinnvolle Wörter – es gibt Programme, die die eingegeben Worte oder Phrasen mit zehntausenden Einträgen aus dem Duden automatisch abgleichen und so versuchen, die Verschlüsselung zu knacken.

Im Vergleich zu den älteren Urteilen des Landgerichts Hamburg und dem Oberlandesgericht Hamburg zu derartigen Fällen sei das BGH-Urteil humaner, so Springer weiter. Denn die beiden Gerichte hatten von Privatleuten bisher erwartet, dass diese ihre WLAN-Router ständig mit den aktuellsten Sicherungsmethoden vor Missbrauch durch Dritte schützen. „Aber Niemandem ist zuzumuten, seine Netzwerksicherheit dauernd auf dem neuesten Stand der Technik zu halten. Das wäre einfach zu teuer“, unterstreicht Springer die Crux bei diesen Urteilen.

Der Jurist empfiehlt, „wenn man auf Nummer sicher gehen will“, Fachleute für die Verschlüsselung am eigenen WLAN-Router zu bestellen und sich die ordnungsgemäße Sicherung des Internetzugangs schriftlich bestätigen zu lassen. Springer: „Damit hätte man vor Gericht ein beweiskräftiges Dokument.“

Findige Surfer können ungeschützte WLAN-Netzwerke leicht nutzen, um sich illegal beispielsweise Musiktitel aus dem Internet herunterzuladen. Ein mit einem WPA-2-Schlüssel ordnungsgemäß gesichertes Netzwerk sei nahezu unmöglich zu knacken, sagt Springer. „Mir ist kein Fall bekannt, bei dem das geklappt hat.“

Der Erste BGH-Zivilsenat setzte sich im konkreten Fall mit einem beklagten Privatmann auseinander, der einen Musiktitel heruntergeladen haben soll. Der Mann befand sich jedoch zur Zeit des unberechtigten Zugriffs nachweislich im Urlaub. Er wurde dennoch von der Gegenseite zu Unterlassung und Schadensersatz sowie auf Erstattung der Abmahnkosten verklagt, mit dem Argument, er hätte seinen WLAN-Router besser schützen müssen.

Der BGH sah das zum Teil auch so. Der Beklagte musste die Abmahnkosten tragen, da kein Passwort auf seinem Router angelegt war. Schadensersatz kam jedoch nicht in Frage, weil der Mann laut Gericht nicht vorsätzlich gehandelt hatte.

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