Uelzener Senioren klagen über unseriöse Anruferin / Die Polizei rät: Gar nicht reagieren und auflegen

Die Unbekannte am Telefon

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Uelzen. Es war eine Frauenstimme, die ganz seriös durch den Hörer klang. Die Dame, die dazu gehörte, versuchte einer Seniorin irgendein Versicherungsangebot schmackhaft zu machen und ganz nebenbei herauszufinden, wo die Angerufene genau wohnt.

Die Uelzenerin, die diesen Anruf mit der Hamburger Vorwahl erhielt, ist kein Einzelfall. Auch ein 77-Jähriger hatte bereits die Polizei über mysteriöse Anrufe von einer angeblichen Pflegeversicherung informiert (AZ berichtete). Vermutlich gibt es noch mehr Personen im Landkreis, die Telefonate mit mutmaßlichen Trickbetrügern geführt haben. Die Beamten warnen erneut davor, am Telefon über persönliche Situationen Auskunft zu geben.

„Sie hat gesagt, man hätte mich angeschrieben und ich hätte nicht geantwortet“, berichtet die Uelzenerin, die sich weder Namen noch die genaue Nummer der mysteriösen Anruferin merken konnte. Sie habe verneint und daraufhin durch die Leitung gehört: „Ja, dann ist der Brief wohl verschütt gegangen. Aber Sie wohnen doch in Uelzen?“

In dem Moment sei die Rentnerin, die anonym bleiben möchte, hellhörig geworden. Es gehe um eine vom Gesetzgeber verordnete Neuregelung im Gesundheitswesen, erklärte die Unbekannte am Telefon weiter. Die Thematik sei so komplex, daher wolle sie die Rentnerin persönlich besuchen. Diese lehnte jedoch sofort vehement ab: „Ich möchte das nicht.“ Und daraufhin wurde am anderen Ende der Leitung schnell aufgelegt.

„Wenn man so etwas erst mal hört – vom Gesetzgeber –, denkt man, es ist etwas Dienstliches“, stellte die Uelzenerin fest. Für sie war aber klar, dass ihre Krankenkasse sie direkt informieren würde, wenn es eine Neuerung gebe. „Es ist ja heutzutage so, dass jeder an Adressen und Telefonnummern herankommt.“ Sie vermutet: „So etwas wird ja meistens groß angelegt.“ Demnach würden sicherlich noch mehrere Menschen in Uelzen Anrufe dieser Art erhalten. „Vom sogenannten Enkel-Trick habe ich ja schon etwas gehört, aber so einen Anruf hatte ich bislang noch nicht.“

Silke Munstermann, bei der Polizei Uelzen zuständig für Seniorenberatung im Bereich Prävention, rät dazu, auf solches Aushorchen gar nicht einzugehen, wie es die beiden genannten Senioren getan haben. „Sie haben richtig reagiert, indem sie sich auf keinen Termin eingelassen haben und den Besuch nicht hereingelassen haben.“ Mit den Versicherungen Rücksprache halten, sei in dem Fall dann ein wichtiger Schritt. Normalerweise würden Versicherungen über neue Regelungen schriftlich informieren oder der bekannte Versicherungsberater spreche seine Kunden persönlich an.

„Sicherlich wird auch die eine oder andere Versicherung versuchen, über ein entsprechendes Center die Produkte zu verkaufen. So wie es eben an die Senioren herangebracht wurde, ist es von der Versicherung nicht gewünscht.“ Munstermanns Tipp ist daher: „Gar nicht darauf reagieren, auflegen und sich selbst informieren.“ Oder eben bei der Polizei nachhorchen.

Wer Ähnliches erlebt hat, erreicht die Polizei Uelzen unter (05 81) 93 00.

Von Diane Baatani

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