Wahlkampf bis in die Nacht

Uelzener Parteienlandschaft nutzt zunehmend soziale Medien

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Vor allem Facebook nutzen Kandidaten und Parteien nun im Kommunalwahlkampf. Bewerber stellen sich vor, Inhalte werden transportiert und mit Wählern wird diskutiert.

Uelzen. Wahlkampf kennt keinen Feierabend mehr. So lässt die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) vor wenigen Tagen mögliche Wähler um 21. 30 Uhr wissen, dass die UWG auch in den Orten Borne, Holdenstedt und Klein Süstedt aktiv ist.

Oder: Dem SPD-Ortsverein ist es wichtig, um 20.45 Uhr mitzuteilen, dass nun Wahlplakate von Sozialdemokraten in Uelzen hängen. Soziale Medien machen das Werben um Wähler rund um die Uhr möglich. Die Uelzener Parteienlandschaft nutzt diesen Weg im Kommunalwahlkampf verstärkt.

9 Uhr am Morgen: Der Uelzener CDU-Kreisverband stellt einen weiteren Kandidaten über seine Facebook-Seite vor. Mehrfach täglich posten die Christdemokraten Bilder von Bewerbern mit den wichtigsten Stichpunkten zur Person. Wer den „gefällt mir“-Knopf drückt, kann sich am Bildschirm einen Eindruck von den Kandidaten für die Räte verschaffen. Personenwahlkampf 2.0? Welche Strategie hinter dem Vorgehen der CDU steckt, bleibt aber unklar. Eine AZ-Anfrage dazu bleibt unbeantwortet.

Parteien sind in diesen Tagen nicht nur im Netz anzutreffen: In den Innenstädten bauen sie Stände auf, laden zu Veranstaltungen mit Politik-Prominenz ein. „Unser Ziel ist es, Menschen mit unserer Politik zu erreichen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen“, sagt Jan Henner Putzier vom SPD-Ortsverein Uelzen. Das solle auf verschiedenen Wegen passieren, und die sozialen Medien seien ein Weg dabei. Der SPD-Ortsverein nutze vor allem Facebook. Putzier: „Viele Menschen aus der Hansestadt Uelzen sind heute regelmäßig auf Facebook unterwegs. Da ist es zwingend notwendig, dass sich auch die Politik auf Facebook zeigt und ansprechbar ist.“ Aber man dürfe nicht glauben, dass die sozialen Medien allein als Wahlkampf-Instrument ausreichen würden. „Es ist eine gute Begleitung vieler Aktivitäten, in Teilen sogar eine gute Ergänzung. Aber die beste Möglichkeit, Menschen zu erreichen, ist und bleibt das persönliche Gespräch. Das muss einem bewusst sein.“

Wie viel Internet-Wahlkampf verträgt der Wähler? Sollen auch soziale Medien wie Twitter oder Instagram genutzt werden? Und: Wer postet was? Bei der UWG im Bereich Altes Amt Ebstorf gibt es keine Vorgaben dazu. Jedes Mitglied könne den Kanal nutzten, den er meine – und „kann seine Meinung frei online posten“, so Heiko Senking gegenüber der AZ. Das Besondere an sozialen Medien: Das Feedback, ob positiv oder negativ, komme „sofort und unverfälscht“. Henner Putzier von SPD dazu: „Direktes Feedback ist einer der Gründe, warum wir bei Facebook sind.“

Die Grünen im Landkreis setzen soziale Medien auch noch aus einem weiteren Grund ein. Christine Kohnke-Löbert, Vorsitzende des Kreisverbandes der Grünen: „Wir verbinden mit der Nutzung von Facebook darüber hinaus die Hoffnung, Politik für jüngere Menschen interessant zu machen.“

Die Uelzener Kreisverband der Alternative für Deutschland (AfD) berichtet, dass er verstärkt soziale Medien als Plattform für sich nutzt. Die AfD sieht sich Diffamierungen ausgesetzt. Über die sozialen Medien könne die Partei selbst „objektiv“ über Kernthemen berichten, erklärt 1. stellvertretende Kreisvorsitzende Maik Hieke. Gleichwohl klemmt es noch beim Wahlkampf 2.0 der AfD. Die Homepage ist offline. Ein Facebook-Profil lässt sich nicht finden. Die AfD begründet das mit einem Personalwechsel im Verband.

Von Norman Reuter

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