Unternehmen leidet unter niedrigen Preisen / Jetzt wird umstrukturiert

Nordzucker unter Druck

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In der kommenden Kampagne sollen weniger Zuckerrüben angefahren werden. Nordzucker drosselt die Produktion.

Uelzen/Braunschweig. Zu viel Zucker in den Lagerstätten, stärkerer Wettbewerb ab 2017: Das Unternehmen Nordzucker mit seinem in Deutschland größten Werk in Uelzen will die Verwaltung „verschlanken“ und zentralisiert Aufgaben, um künftig auf dem Markt bestehen zu können.

Im Zuge der Umstrukturierung hat Uelzens Nordzucker-Werk mit Dr. Mathias Böker gestern auch einen neuen Werksleiter bekommen. Der bisherige Werkschef, Sven Buhrmann, übernimmt den Bereich Investitions- und Instandhaltungsplanung, der in Braunschweig für den gesamten Nordzucker-Konzern geschaffen wurde. „Wir wollen die Adler-Perspektive haben, um mögliche Doppelausgaben zu verhindern“, sagte gestern dazu der Nordzucker-Produktionsleiter Dr. Michael Gauß. Bisher seien die Entscheidungen regional getroffen worden, erläuterte Sven Buhrmann. Hinsichtlich der Marktsituation kündigte er in seiner neuen Funktion an, dass Nordzucker sich in den nächsten Jahren auch bei den Investitionen zurückhalten werde. Nordzucker steht unter Handlungsdruck, weil 2017 die sogenannte Zuckermarkt-Verordnung fällt. Sie begrenzt bislang die Einfuhr und den Export von Zucker, mit ihrem Aus hat sich das Unternehmen einem größeren Wettbewerb zu stellen. Bereits jetzt purzelt der Zuckerpreis wegen der Reform 2017 in den Keller. Gleichzeitig leidet Nordzucker unter gefüllten Zuckerlagerstätten – durch sehr gute Rübenernten wurde mehr Zucker produziert als verkauft wird. „Vor diesem Hintergrund werden wir auch die Produktion in der nächsten Kampagne deutlich senken, um die Vorräte abbauen zu können“, so Dr. Michael Gauß gestern. Das bedeutet, dass weniger Flächen von Landwirten für den Anbau der Zuckerrübe benötigt werden, sie haben die Äcker mit anderen Pflanzen zu bestellen. Die Situation von Nordzucker hat ebenfalls unmittelbare Folgen für die Stadt Uelzen. Nordzucker zahlt weit weniger Gewerbesteuern. Das sei sicherlich ein Schlag für die Stadt, sagte Gauß. Durch ausbleibende Gewerbesteuern von Uelzener Unternehmen klafft ein Loch von rund 8,8 Millionen Euro im Haushalt.

Von Norman Reuter

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