„Mit Unterschieden leben“: Messe über das Einbeziehen von Behinderten

Ein Baum fürs Miteinander

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Die Gemeinschaft ist bunt – mit einem stillen Impuls wurde am Sonntag zum Thema Inklusion geführt. Mit bunten Punkten betraten Gemeindemitglieder den Altarraum.

Uelzen. „Dass alle Menschen so akzeptiert werden wie sie sind, in der Masse und nicht am Rand leben – das ist für mich Inklusion“, definiert Lukas Wollenzien, Student der sozialen Arbeit und der Religionspädagogik.

Nicht in einer Konferenz, im Kneipengespräch mit Freunden, sondern in der St. Marien Kirche in Uelzen – im Rahmen der Thomasmesse am vergangenen Sonntag zum Auftakt der Diakoniewoche mit dem Thema: „Mit Unterschieden leben“.

Eine Thomasmesse hat seine besondere Form, richtet sich an fragende Christen, will im Glauben Zweifelnde, frustrierte Kirchengänger oder Gottesdienstmuffler ansprechen. Dabei sind viele Laien mit wenigen Hauptamtlichen aktiv – ist im Internet zu lesen.

Nein, man ist nicht zu spät gekommen, auch wenn Musik von Erik Matz an Orgel und dem Chor GOup zu hören ist – die Musik empfängt die Besucher. Gleich drei Blättchen Gedrucktes gibt es in die Hand. Pastor Michael Dierßen erklärt kurz, was eine Thomasmesse ist und wer die Beteiligten.

Jetzt ein stummer Impuls, der zum Thema führt: Aus der Gemeinde kommen Menschen, schreiten die Stufen zum Altarraum hinauf, wandeln. Alle haben einen farbigen großen Punkt und bald sind sie eine vielfarbige Gemeinschaft.

Nächste Gruppe dort: Fünf Personen, die über ihre Erfahrungen und Erwartung mit Inklusion sprechen: Renate Barthel, Vorsitzende des Seniorenbeirats der Stadt Uelzen, Markus Oetzmann, pädagogischer Mitarbeiter und tätig im Jugendmigrationsdienst, Nicole Wulkopf und Sonja Steinhorst, Erzieherinnen in der Kindertagesstätte Bad Bevensen und Lukas Wollenzien, Student der sozialen Arbeit und Religionspädagogik, der selbst körperbehindert ist.

Gabriel Siller, hiesiger Diakonieleiter, führt das Interview und legt zunächst seine Meinung dar. „Inklusion heißt für mich, Menschen willkommen zu heißen, niemand wird ausgeschlossen, alles gehören dazu: Zu unserer Gesellschaft, unserer Stadt, zur Kirche und Diakonie und zu jeder kleinen Gruppe und Gemeinschaft.“

Deutlich wird, dass Inklusion eine Haltung ist, eine persönliche Einstellung, dass jeder besonders ist und angenommen wird.

Die zweite Diskussionsrunde mit Heiner Scholing, langjähriger Leiter einer Förderschule in Lüneburg , Lukas Wollenzien als angehender Religionspädagoge und Karin Gutmann, Lehrerin an der Georgsanstalt nehmen zu Fragen Stellung: Wie ist der Stand der Inklusion heute? Was wurde schon erreicht? Wo mangelt es noch? Viele Ausführungen folgen. „Inklusion ist ein Ziel, das wir noch nicht erreicht haben“, heißt es unter anderem. Wollenzien: „Inklusion habe ich als etwas Tolles erfahren, vor allem in der Akzeptanz in der Hochschule. Gutmann: „Würde und gegenseitige Achtung gehören zu unserem Leitbild, dass wir seit Jahren leben.“

Die nächste, offene Phase der Thomasmesse lässt die Gottesdienstbesucher aktiv werden und sich zu Stationen begeben: Zur Segnung, Salbung, Fürbitte, Stille, Murmelgruppe oder zur Kreativ-Station, um Kärtchen zum Thema Inklusion zu beschreiben, die an den Integrationsbaum – eine Eberesche – gehängt werden. Nach spontan „gekürzter Ansprache“ (Propst Hagen), Abendmahl, Fürbitte und Segen, geht es gemeinsam mit Bollerwagen und Baum, der auch mal zu kippen drohte, zum Herzogenplatz, um den Inklusionsbaum als Zeichen und gemeinsame Aktion zu pflanzen.

Von Ute Bautsch-Ludolfs

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