Amtsgericht verhandelt Verstoß gegen Betäubungsmittelgesetz

Uelzener Frisörin wegen Anbaus von Marihuana verurteilt

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Um 175 Gramm Marihuana ging es gestern vor dem Uelzener Amtsgericht.

sk Uelzen. Am Ende der neunzigminütigen Verhandlung wird die Angeklagte, eine Uelzener Frisörin, zu neun Monaten auf Bewährung und einer Zahlung von 600 Euro an eine Drogenhilfeeinrichtung verurteilt.

Der Vorsitzende Richter Thomsen am Amtsgericht urteilte mit seinem Spruch nahe an der Forderung des Staatsanwaltes, aber auch nicht weit entfernt von dem, was die Verteidigung für angemessen hielt.

So weit, so unaufgeregt. Im Detail hat die gestrige Verhandlung aber ihren Reiz. Zum einen bei der Tat. Die Angeklagte wurde im vergangenen Jahr des Besitzes und Anbaus von Marihuana überführt. 175 Gramm gebrauchsfertiges Grünzeug sowie eine kleine Plantage mit 19 Pflanzen plus Lampen, Bewässerung und einer Anleitung, wie die Geräte für optimale Ernten zu verwenden sind, stellten Polizeibeamte bei ihr sicher. Das Ganze innerhalb des Wohnraumes, versteckt in einem kleinen Zimmer, dessen Zugang mit einem großen Spiegel verdeckt war. Zugunsten der Angeklagten nahmen Gericht und Staatsanwaltschaft aber nicht an, dass sie mit der Droge handeln wollte.

Einen ungewöhnlichen Moment gab es, als der Prozess von der Protokollantin unterbrochen wurde, weil ihr PC unerwartet Updates durchführte. Zum Unverständnis des Richters, dass solche Aktualisierungen zu gewöhnlichen Verhandlungszeiten vorgenommen werden, gesellten sich dann Spekulationen in Richtung Hacker-Angriff, die eine Sicherung der Systeme kurzfristig nötig machen könne. In den letzten Monaten, so Thomsen, seien Gerichte mehrfach Gegenstand solcher Attacken gewesen.

Während die Frage eines Hacker-Angriffs auf das Amtsgericht offenblieb, wurde eine andere Frage gründlich erörtert. Handelte es sich bei dem Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz um eine geringe Menge im Sinne des Gesetzes? 7,5 Gramm Wirkstoff (Tetrahydracannabinol, THC) darf dafür höchstens in dem Marihuana vorhanden sein.

Da Marihuana unterschiedlich viel THC enthalten kann, muss es auf seinen anteiligen Wirkstoffgehalt untersucht werden: Homogenisierung, Dünnschicht-Chromatografie, Infrarotspektoskopie und Hochleistungs-Flüssigchromatografie – die Begriffe, mit denen die Sachverständige vom Landeskriminalamt jonglierte, um die Gehaltsbestimmung zu erklären, waren alles andere als eingängig, der Ausgang der Messung hingegen eindeutig: Der anteilige Wirkstoffgehalt lag bei 4,3 Prozent, auf die Gesamtmenge von 175 Gramm Marihuana ergab sich eine Wirkstoffmenge von 7,51 Gramm und – trotz diverser Fragen, Einlassungen und Berechnungen des Verteidigers – eine nicht geringe Menge THC im Sinne des Gesetzes.

Die relative Milde des Urteilsspruches begründete der Richter damit, dass die Angeklagte von Anfang an geständig war, dass die Grenze der geringfügigen Menge nur unwesentlich überschritten sei, dass die Angeklagte zumindest nicht einschlägig vorbestraft sei und damit, dass sie einer geregelten Beschäftigung nachgehe.

Dass das Urteil als gerecht wahrgenommen wurde, zeigt die Tatsache, dass sowohl Staatsanwalt, als auch Beklagte noch im Saal auf Rechtsmittel verzichteten.

Die Frage, wie gerecht das Nettogehalt einer Frisörin von 1100 Euro – so die Angabe der in Lüneburg tätigen Beklagten – ist, behandelte das Gericht nicht – dass man sich bei diesem Gehalt einen florierenden Nebenerwerb wenigstens wünscht, liegt hingegen auf der Hand.

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