Uelzener DRK-Helfer bauen Notunterkünfte in Hamburg auf – und sehen sich mit Protesten konfrontiert

Zeltstadt für Flüchtlinge verärgert Anwohner

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Das Gelände für die Zeltstadt in Hamburg-Jenfeld liegt in unmittelbarer Nähe zu den Wohnhäusern. Es wurde umzäunt, damit die DRK-Helfer die Zelte aufstellen konnten.

Uelzen/Hamburg. Die Stimmung in Hamburg-Jenfeld ist aufgeheizt. Die Freie Hansestadt will 800 Flüchtlinge in Zelten im Jenfelder Moorpack unterbringen. Eine Notmaßnahme, wie die Stadt erklärt. Täglich würden 200 Asylbewerber Zuflucht in der Stadt suchen, die Erstaufnahmeplätze seien bereits belegt.

Freiwillige des DRK-Kreisverbandes Uelzen halfen am Wochenende beim Aufbau der Zeltstadt – und sahen an errichteten Zäunen wütende Menschen stehen, die gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in Hamburg-Jenfeld demonstrierten.

Über das Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes in Berlin erreichte den Uelzener Kreisverband die Anfrage zur Unterstützung beim Aufbau der Zelte, erläutert Pressesprecherin Meike Karolat. Es sei die erste Einsatzanfrage in Zusammenhang mit Flüchtlingsnotunterkünften gewesen. 17 Helfer mit fünf Fahrzeugen hätten sich am Freitag auf den Weg gemacht, nachdem der am Vortag von Kollegen aus Winsen (Luhe) gestartete Aufbau kurzerhand abgebrochen werden musste. Aufgebrachte Menschen hatten die Zufahrt zur Grünfläche blockiert.

Um die Sicherheit für die Uelzener DRK-Kräfte zu gewährleisten, schildert Kreisbereitschaftsleiter Andreas Schulze im AZ-Gespräch, habe ein intensives Briefing vor dem Einsatzbeginn stattgefunden. „Es gilt das Prinzip ,safety first‘“, so Schulze. Vor Ort hätten sich dann 50 bis 80 Menschen befunden, die „nicht so freundlich waren“. Aufgestellte Zäune hätten den Zugang zu der Fläche verhindert.

„Wir konnten ohne Störungen arbeiten.“

Über Stunden hinweg bauten die Uelzener DRK-Freiwilligen 50 Zelte sowie Doppelstockbetten auf. Das Material dazu sei aus Rheinland-Pfalz gekommen. Ein Kreisverband könne so viele Zelte nicht vorhalten, erklärt Schulze. Mit im Einsatz waren auch die DRK-Kreisverbände Stade, Land Hadeln, Lüneburg, Winsen/Luhe, Lübeck sowie Pinneberg. Das Technische Hilfswerk hat am Sonntag noch Böden für die Zelte zugeschnitten.

Inzwischen steht die Zeltstadt in Hamburg-Jenfeld. Die Proteste reißen aber nicht ab. Nach Medienberichten sollen Anhänger der rechten Szene mit Anwohnern demonstrieren. Letztere beklagen, dass sie über die Pläne der Hansestadt nicht informiert wurden. Die Stadt Hamburg erklärt dazu, dass erst am Donnerstag eine Überprüfung ergeben hätte, dass auf der Grünfläche in Jenfeld Zelte errichtet werden können. Für Donnerstag ist eine Informationsveranstaltung für Bürger geplant.

Aktuell liegen dem Uelzener DRK-Kreisverband keine weiteren Anfragen zum Aufbau von Zelten als Notunterkünfte für Flüchtlinge vor. Angesichts der zunehmenden Flüchtlingszahlen, auch in der Hansestadt Hamburg, sei ein erneuter Einsatz von Helfern aber nicht auszuschließen, so Uelzens DRK-Sprecherin Meike Karolat.

Von Norman Reuter

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