Uelzener Bundespolizei-Gewerkschaft fordert Taser für alle Polizisten

Blitzende Nadeln schocken Angreifer

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„Strom statt scharfer Schüsse“, fordert die Gewerkschaft.

Uelzen/Landkreis. Die im Internet kursierenden Bilder lassen keinen Zweifel: Wer von den blitzenden Widerhaken einer Taser-Pistole getroffen wird, geht zu Boden – egal wie kräftig er ist. „Das ist bei Pfefferspray nicht immer so“, weiß Sven Hoffmann, stellvertretender Vorsitzender der Bundespolizei-Gewerkschaft Uelzen.

Die Gewerkschaft macht sich stark für die Einführung der Elektroschockpistole für alle Uelzener Polizeibeamten, auch Streifenpolizisten.

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Taser werden in den USA bereits täglich von Polizisten eingesetzt. In Deutschland sind sie im Polizeidienst bisher die Ausnahme. Spezialeinsatzkommandos aus Sachsen-Anhalt sollen mit der „nicht-tödlichen Waffe“ ausgestattet werden. Nachdem das bekannt ist, bekräftigt Hoffmann: „Der Taser mit einem Aktionsradius von zehn Metern ist eine wirksame Alternative zur Schusswaffe.“ Und: Die Beamten bräuchten eine Dienstwaffe, die die Lücke zwischen Schlagstock und Schusswaffe schließe.

Bundespolizei verhaftet Fußball-Fans

Aber auch der Gewerkschafter weiß, Taser sind nicht ungefährlich. Es gab bereits Todesfälle aufgrund der Stromschocks. Dem gegenüber stehe jedoch der Griff zur Dienstwaffe, unterstreicht Hoffmann und fordert: „Strom statt scharfer Schüsse.“

Der Taser ist umstritten: Neben der Stromstärke für beispielsweise herzkranke Menschen kommen Stresssituationen als Gefahr hinzu: Zu einer offenbar tragischen Verwechslung kam es in Bremen. Ein Polizist griff zur Schusswaffe anstelle seines Tasers und erschoss so einen Menschen.

Aus einer Kartusche werden Nadeln, ähnlich Angelhaken, mit etwa 50 Metern pro Sekunde auf den Angreifer abgefeuert.

Der Taser ähnelt einer Pistole. Aus einer Kartusche werden Nadeln, ähnlich Angelhaken, mit etwa 50 Metern pro Sekunde auf den Angreifer abgefeuert. An den Projektilen sind isolierte Drähte angebracht. Die Nadeln bohren sich durch die Kleidung in den Köper, dann fließt Strom. Der Schütze hält die Pistole in Händen und kann den Getroffenen mehrmals schocken. Der Angreifer hat keine Chance, ist gelähmt. Auch Suizid-Handlungen könnten so gestoppt werden, berichtet Hoffmann.

Taser seien dennoch nicht immer das probate Mittel. „Schwierig wird es, wenn man einer Gruppe gegenübersteht“, sagt Bundespolizeisprecher Holger Jureczko, „etwa alkoholisierten Fußball-Fans.“ Pfefferspray wäre da effektiver. Zu dem Spray mussten Polizisten Mitte Februar dieses Jahres auf Uelzens Hundertwasser-Bahnhof greifen, als Bochumer Fans auf St.-Pauli-Fans losgingen (AZ berichtete). „Aber egal, ob Pfefferspray, Elektroschockpistole oder Schusswaffe“, betonen Hoffmann sowie Jureczko, „die Verhältnismäßigkeit der Mittel muss immer gewahrt bleiben.“

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Ausrüstung der Bundespolizei Uelzen

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