Im August starten viele Bauprojekte / Baudezernent Scheele-Krogull und sein Team halten die Fäden in der Hand

Uelzen: „Unheimlich viel im Fluss“

An vielen Ecken in der Uelzener Innenstadt wird sich ab August etwas bewegen. An der Greyerstraße, Schuhstraße und Gudesstraße sind die größten Baustellen geplant. Aber auch für die Umgestaltung der Marktstraßen und des Schnellenmarktes gibt es Pläne.

Mit AZ-Redakteurin Diane Baatani hat der städtische Baudezernent Karsten Scheele-Krogull darüber gesprochen, wie die Stadt Uelzen die einzelnen Projekte koordiniert.

AZ: Das Marktcenter ist das größte Projekt für die Entwicklung der Innenstadt. Der Planfeststellungsbeschluss für den Neubau der Greyerbrücke steht. Wann beginnen dort die Arbeiten?

Scheele-Krogull: Es geht nicht nur um die Brücke, auch um die Zwischenstücke und den Kreisverkehr zur Veerßer Straße. Die Sperrung der Greyerstraße erfolgt ab Ende Juli/Anfang August. Die Brücke wird im nächsten Jahr im September fertiggestellt. Zum gleichen Zeitpunkt wollen wir mit den Zwischenstücken und dem Kreisverkehr fertig sein. Der umgeleitete Verkehr wird nur zum Teil durch die Innenstadt gehen. Es ist mit der Straßenbaubehörde abgeklärt, dass für die Autofahrer, deren Ziel nicht Uelzen direkt ist, beispielsweise sofort nach der Autobahnabfahrt Soltau eine Ausschilderung in Richtung Breitenhees eingerichtet wird. Die Umleitungen werden weiträumig erfolgen, so dass die Innenstadt vom Durchfahrtsverkehr weitestgehend entlastet wird.

Wie ist es mit den Uelzener Autofahrern? Müssen die Einzelhändler in der Innenstadt nun um monatelange Einbußen fürchten, weil vor ihren Geschäften Baufahrzeuge parken und der Lärmpegel steigt?

Wir werden über den Innenstadtring und die Gudesstraße mehr Verkehr zu erwarten haben. Aber der Innenstadtring ist von Anfang an so ausgerichtet worden, dass er über 10 000 Fahrzeuge pro Tag aufnehmen kann. Jetzt liegen wir dort zwischen 5000 und 7000 Fahrzeugen. An der Gudesstraße werden wir einen Engpass haben, insbesondere an der Ecke vom ehemaligen Katasteramt. Das werden wir aber bestmöglich lösen.

Die Abbruch- und Neubauarbeiten mit den notwendigen Fahrzeugen finden vornehmlich auf den Baugrundstücken selbst statt. Für die direkte Nachbarschaft bedeutet dies dann natürlich auch den üblichen Baulärm. Die übrige Innenstadt ist nicht betroffen.

Wird die Tempo-10-Zone auf den Marktstraßen in der Zeit beibehalten?

Ja, da wird nichts geändert. Wir gehen weiterhin davon aus, dass die meisten Autofahrer den Innenstadtring nutzen. In den Marktstraßen wird im nächsten Monat auch das erste bepflanzte Sitzelement aufgestellt. Der Auftrag wird in den nächsten Tagen erteilt, das Element zur Probe gebaut und dann vor Ort angeschaut. Wenn nötig, werden leichte Veränderungen besprochen und anschließend die Serienproduktion begonnen. Die Sitzelemente sind voraussichtlich im September fertig, ebenso die Eingangssituation an den Marktstraßen.

An der Gudesstraße passiert ja noch mehr...

Der Abriss von Wilgrü an der Gudesstraße wird im August begonnen, wie auch das Projekt an der Schuhstraße. Die Fertigstellungen beider Projekte sind für Sommer/Herbst nächsten Jahres vorgesehen. Wir sind sehr froh, dass nach dem Abbruch von Wilgrü und der benachbarten Gebäude sehr schnell das neue Vorhaben zu sehen sein wird, denn der Neubau wird zügig begonnen. Das bedeutet an der Gudesstraße kleine Behinderungen, aber auch das wird koordiniert, insbesondere an der Ecke Schuhstraße, so dass zum Beispiel auch der Stadtbusverkehr reibungslos verläuft.

Auf dem Grundstück von Wilgrü entsteht C&A...

Auf einer Fläche zwischen 100 und 150 Quadratmeter zieht noch ein zweiter Mieter in das Gebäude ein. Wer es sein wird, steht noch nicht fest. Diese Millionen-Investition der Rosco-Gruppe in der so genannten 1-A-Lage wird auch positive Auswirkungen auf die Schuhstraße haben.

Stichwort Schuhstraße: Bleibt es dabei, dass Sie dort Wohnungen unterbringen möchten?

Ja, Wohnungen sind insbesondere in den Obergeschossen vorgesehen, die Planungen beinhalten aber auch kleinteiligen Einzelhandel. Die Schuhstraße ist eine wichtige Fußwegverbindung in der Innenstadt, insofern ist die Lage für diesen Einzelhandel interessant. Zudem besteht die Nähe zur Gudesstraße mit den erwähnten neuen Angeboten. Das Grundstück ist insgesamt 3000 Quadratmeter groß – ein weiteres Großvorhaben in der Innenstadt.

Melden sich dafür auch schon Interessenten bei Ihnen?

Es gibt Anfragen. Nicht so viele wie beim Marktcenterprojekt und an der Gudesstraße, aber das Interesse besteht. Es gibt eine große Nachfrage bezüglich der Wohnungen, sicherlich auch begründet mit der hochattraktiven Lage nahe des Ratsteiches.

Es gab ja auch viele Interessenten für die Wohnungen, die Horst Saevecke am ehemaligen Uelzener Hof baut.

Der Uelzener Hof wird ja ebenfalls im nächsten Jahr fertiggestellt. Da gibt es eine große Nachfrage. Es ist so, dass sich dort auch Hamburger beworben und meines Wissens auch den Zuschlag erhalten haben, die die Nähe zum Bahnhof suchen und dann in den Zug steigen und nach Hamburg pendeln. Diese Entwicklung ist immer unser Wunsch gewesen. Herr Saevecke denkt schon jetzt über weitere Projekte nach, die er in den nächsten Jahren angeht. Es passiert viel, ausgelöst durch die europaweite Ausschreibung der Großprojekte Marktcenter und Schuhstraße. Da sind viele aufmerksam geworden, die vorher schon sporadisch in Uelzen erschienen sind und nun erkennen, dass Uelzen Potenzial hat und in den nächsten Jahren viele Impulse erwarten kann.

Wäre dann das Grundstück vom ehemaligen Katasteramt an der Ecke Gudesstraße/ Mauerstraße auch für ein Wohnprojekt interessant?

Selbstverständlich ist hier ein Wohnen in den Obergeschossen eines Gebäudes interessant. Aber dort ist immer noch der Eigentümer in der Pflicht. Wenn weiterhin nichts passieren sollte, werden wir bestehende Kontakte zu möglichen anderen Investoren intensivieren, für die das Grundstück von Interesse sein könnte. Die Lage bietet Chancen, auch weil die verkehrliche Situation künftig verbessert werden soll, so dass sich die Passanten hier weniger vom Autoverkehr gestört fühlen.

Wie ist die Situation ein Stück weiter am Schnellenmarkt?

Bei der Informationsveranstaltung am 25. Juni soll es konkret werden: Was können wir durchführen, in welchem Rahmen soll es sich bewegen. Wie weit läuft der Verkehr auch zukünftig über den Bereich. Das muss diskutiert werden. Es wird Anstrengungen geben, den Platz attraktiv für Fußgänger zu machen, für ältere Leute ist er nicht optimal zu begehen.

Welche Straßen gehören alle zu dem Schnellenmarktviertel, über das am Montag ab 18.30 Uhr im DRK-Mehrgenerationenzentrum gesprochen wird?

Es geht von der Gudesstraße bis zur Heiligengeistkapelle und bis zur Brückenstraße. Auch dort haben wir darüber nachgedacht, was wir während der Bauphasen der verschiedenen Projekte in der Innenstadt machen, wo stellen wir Parkplätze her, wenn beispielsweise an der Schuhstraße gebaut wird. Wir haben an der Brückenstraße schon circa 20 Stellplätze geschaffen. In diesem Herbst werden wir im Schnellenmarktviertel baulich tätig – wenn gemeinsam mit Eigentümern, Anliegern und Nutzern, unter anderen die Bewohner des DRK-Hauses, entschieden wurde, wie sich das Viertel entwickeln soll.

Inwiefern wollen Sie im Herbst schon tätig werden?

Ich gehe davon aus, dass der Brunnen stehen bleibt, er aber solche Veränderungen erfährt, dass es attraktiver wird, sich in diesem Bereich aufzuhalten. In diesem Herbst wird es zunächst leichte Verbesserungen geben, wenn es denn so entschieden wird. Wir nehmen dann zum Beispiel störende große Poller heraus und verändern die Sitzmöglichkeiten. Wenn es um größere Maßnahmen geht, werden wir sie im nächsten Jahr umsetzen. Es ist auch wichtig, dass auch die Eigentümer dort investieren – da gibt es Nachholbedarf. Sie müssen eine Perspektive sehen und Anreize erkennen, um zu investieren.

Es gibt noch eine Ecke in der Innenstadt, die für Diskussionen sorgt: die Bahnhofstraße. Die Fußgängerzone und der obere Bereich wegen seiner Leerstände. Was ist für die Fußgängerzone geplant?

Der Fußgängerbereich ist als Ziel-1-Maßnahme für nächstes Jahr vorgesehen. Es wurde entschieden, dass 200 000 Euro dafür zur Verfügung stehen. Die Cafés könnten in den Sommermonaten noch mehr Fläche in Anspruch nehmen, da verhindern derzeit die Bäume eine großzügigere Nutzung. Die Aufenthaltsqualität, die Cafénutzungen, Spielmöglichkeiten und Wasser sollen dort Themen sein.

Beim Wirtschaftsförderungsausschuss waren auch die Leerstände in der Innenstadt Thema. Wie schätzen Sie die Entwicklung der Geschäftssituation an der oberen Bahnhofstraße ein?

Ich gehe davon aus, dass das, was im Fußgängerzonenbereich der Bahnhofstraße und in der Innenstadt insgesamt passiert, auch positive Auswirkungen auf die obere Bahnhofstraße bis hin zur St.-Viti-Straße haben wird.

Zu dem größten Bauprojekt in der Stadt habe ich auch noch eine Frage. Für das Marktcenter stehen REWE im Erdgeschoss und Media Markt im ersten Stock fest. Welche Geschäfte sind für die 800 Quadratmeter Fläche vorgesehen, die noch frei sind?

Für das Marktcenter wird die Baugenehmigung dieser Tage erteilt. Neben Rewe und Media Markt sind noch andere Flächen frei. Rewe entscheidet, wen sie als Konzessionär mit hineinnehmen. Wer die 800 Quadratmeter neben dem Media Markt mietet, muss uns der Investor HBB mitteilen. Es sind zwei externe Geschäfte aus dem Elektrobereich geplant, als Ergänzung zum Elektrofachmarkt. Es soll keine Konkurrenz zu dem bestehenden Einzelhandel in der Innenstadt entstehen, das haben wir immer gesagt.

Für die Stadt Uelzen ist es sicherlich eine Mammut-Aufgabe, die einzelnen Bauvorhaben zu koordinieren, damit sie reibungslos verlaufen, oder?

Ja, aber eine wunderschöne Aufgabe, weil wir merken, dass unheimlich viel im Fluss ist und sich zum Positiven entwickelt. Ich merke auch, dass pessimistische Haltungen langsam, aber sicher verschwinden und positiven weichen. Ich rechne damit, dass Eigentümer Perspektiven erkennen und selbst tätig werden. Für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung ist es eine Mammutaufgabe, aber die Kollegen sind hochmotiviert, weil sie die Veränderungen als Chance erkennen. Sie legen sich ins Zeug, um die Herausforderungen zu meistern. Wir arbeiten mit den Kollegen von der Verkehrsbehörde und dem Landkreis sehr gut zusammen. Ich merke zwischen den Partnern den Willen, das Beste zu erreichen. Die Beeinträchtigungen, die wir in den Bauphasen erfahren werden, nehme ich gerne in Kauf, wenn ich weiß, dass es hinterher deutlich besser wird, als es heute ist.

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