Nach Zeitungs-Recherchen verloren 137 Menschen ihr Leben durch Rechts-Terror

Uelzen auf der Todesliste

Rechtsextreme Gewalt – auch in Uelzen wurde ein Fall von 1993 dokumentiert. Foto: dpa

tm Uelzen. Die Polizei führt in ihrer Statistik 47 Todesopfer durch rechten Terror seit der Wiedervereinigung in Deutschland – doch nach Recherchen des „Tagesspiegels“ und der „Zeit“ haben seit 1990 mindestens 137 Menschen ihr Leben durch Angriffe rechtsextremer Täter verloren.

Auf der Liste steht auch ein Fall aus Uelzen: der gewaltsame Tod des 18 Jahre alten Hans-Peter Z. am 12. März 1993.

Der Heranwachsende war an jenem Freitag vor achtzehneinhalb Jahren von seinem Skinhead-Kumpan erstochen worden. Laut Tagesspiegel waren die beiden bei einer gemeinsamen Fahrt mit einem Moped wegen eines Motorschadens liegen geblieben. Z. und sein Freund gerieten in Streit wegen der Panne, es entbrannte eine handgreifliche Auseinandersetzung. Wie das Landgericht Lüneburg später im Prozess feststellte, habe sich der Täter dann „in seinem Dominanzstreben und seiner Ehre beeinträchtigt“ gefühlt – er griff zum Messer.

Das Landgericht verurteilte den Messerstecher wegen Totschlags zu einer Jugendstrafe von fünf Jahren. Er sei, so hieß es im Urteil, Anführer einer rechtsextremen Skinhead-Gruppe gewesen.

„Zeit“ und „Tagesspiegel“ wollen mit der Veröffentlichung der „Todesliste“ den vielen kaum bekannten Opfern des Rechtsradikalismus ein Gesicht geben und verdeutlichen, dass diese Männer und Frauen nicht Opfer eines „normalen“ Gewaltverbrechens wurden. Hunderte Lokalzeitungsartikel und Gerichtsurteile haben die Reporter nach eigenen Angaben gesichtet, monatelang Opferberatungsstellen und Hinterbliebene, Anwälte und Strafverfolger interviewt. Außerdem wurden Gerichtsurteile mit mehreren hundert Seiten analysiert, um die Motivation der Täter herauszufinden.

Unterdessen hält eine große Mehrheit der Deutschen das Vorgehen der Sicherheitsbehörden gegen Rechtsextremisten für unzureichend. In einer Forsa-Umfrage waren 74 Prozent der Ansicht, Umtriebe von Neonazis würden nicht entschlossen genug bekämpft. Nahezu zwei Drittel (64 Prozent) der Bürger sagten, sie hätten kaum oder gar kein Vertrauen in die Arbeit des Verfassungsschutzes.

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