"Darauf kann Uelzen stolz sein"

Stadtführung begeistert Gäste aus Berlin, Schwerin und Hannover

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Am Modell des historischen Stadtkerns beginnt Gästeführer Manfred Gohlke (rechts) seine Stadtführung, die auf viele kleine Details eingeht, die auch Einheimische nicht kennen.

Uelzen. Auf der Achse der Stadtmauer, die im Dreißigjährigen Krieg zum letzten Mal „aufgerüstet“ worden sei, bewegt sich die Gruppe mit Gästeführer Manfred Gohlke.

„Wo seinerzeit der größte der Wachtürme, der „Große Bär“ errichtet worden war, steht heute das Kaufhaus Ramelow, und gegenüber bei der Sparkasse war die historische Stadt Uelzen schon zu Ende. Das Gildehaus, die St. Marienkirche und das Uhlenköperdenkmal gehören selbstverständlich zum Repertoire des pensionierten Landmaschinenmechaniker-Meisters, aber ihm liegen auch die unbeachteten kleinen Details am Herzen.

So wissen nur wenige Besucher des Weinmarktes, dass der Baum vor gut 200 Jahren zur Erinnerung an den 400. Geburtstag von Herzog Ernst dem Bekenner gepflanzt worden ist, der 1497 auf der Durchreise seiner Mutter in Uelzen geboren wurde. Auf dem Weg zum anderen Ende des Stadtgrabens zeigt Gohlke mal nach links mal nach rechts, mal kreist sein Arm im großen Bogen. „Die heutige Bahnhofstraße als Verlängerung der Gudesstraße hieß damals Rodestraße, und dort wurde gearbeitet“, zeichnet Gohlke das mittelalterliche Leben zwischen Handwerk und Handel nach, bevor die Gruppe das Schnellenmarkt-Viertel erreicht.

Im Balken am früheren Höber-Haus zeigt er auf die Inschrift, die von dem großen Brand berichtet, der seinerzeit von einer jungen Auszubildenden gelegt worden sein soll.

Auf die älteste Gasse am oberen Ende des Stadtgrabens, die älteste Treppe in der Hannemannschen Twiete und die ältesten noch erhaltenen Balken an dem Fachwerkhaus, in dem sich heute ein Asia-Imbiss befindet, weist er die Gäste hin.

Dabei schlägt Gohlke einen Bogen vom Mittelalter in die Neuzeit. Im Vorbeigehen erzählt er von der Entstehung des Hundertwasser-Bahnhofs, dem Engagement der Steinmalerin Dagmar Glemme, dem Neubau des Uelzener Hofs und dem Uelzener Wochenmarkt. Die Gäste aus Berlin, Hannover und Schwerin sind beeindruckt. „Bei uns hört man immer, dass der Hundertwasser-Bahnhof das Schönste sei, was Uelzen zu bieten habe“, erzählt die Berlinerin Birgit Beiersdorff, die mit ihrem Mann einen Tagesausflug nach Uelzen unternommen hat. Begeistert von der Altstadt will Klaus Methke noch in Uelzen bleiben. „Lüneburg und Bad Bevensen haben wir schon gesehen.“

Für Wulf Hahne aus Laatzen ist es die erste Führung in der Stadt, in der seine Großmutter aufgewachsen ist. „Hätten wir schon viel früher mal machen sollen“, freut er sich über „die schöne Atmosphäre. Darauf könne Uelzen stolz sein.

Von Angelika Jansen

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