Nach Restaurant-Pleite und „Stützstrümpfen“ hofft man auf die Wende beim Besucherrückgang

Uelzen setzt auf seinen Bahnhof

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Viele lohnenswerte Ziele gibt es im Kreis Uelzen: Anke Steffen, Leiterin der Uelzener Touristinformation, betreut verantwortlich den „Hundertwasser-Stand“ der Uhlenköperstadt auf der Hamburg-Messe.

Uelzen/Hamburg. „Haben Sie auch einen Wohnmobilstellplatz?“ Der pensionierte Bundespolizist weiß genau, was er will. Raus aus Hamburg, durchatmen in der Natur. „Und ein schön großer Wald sollte auch in der Nähe sein“, ergänzt er.

Anke Steffen kann beides bieten gestern in Halle B 4 des Hamburger Messegeländes. „Wir haben einen kleinen, aber feinen Stellplatz am Sportboothafen“, zeigt die Leiterin der Touristinformation Uelzen auf einer Landkarte. „Und Wälder gibt es reichlich bei uns in der Region. “ Der Pensionär steckt noch zwei Prospekte ein, freut sich über ein kleines Honigglas von Wacholderkönigin Manuela Arndt und zieht zufrieden weiter. Vielleicht steht der Landkreis Uelzen tatsächlich jetzt auf der Liste seiner nächsten Urlaubsziele.

Gespräche dieser Art gibt es viele gestern beim ersten Tag der Reisemesse in Hamburg. Noch bis Sonntag können sich die Besucher über Reiseziele in der ganzen Welt informieren – und auch über lohnende Ausflüge in die Nachbarschaft. „Friedolin“, das Modell des Uelzener Hundertwasserbahnhofs, ist weithin sichtbar in der großen Halle – die goldenen Kugeln auf dem Dach sind ein Hingucker. Der Bahnhof löst bei vielen Vorbeigehenden einen Aha-Effekt aus, „den kennt so gut wie jeder“, sagt Steffen.

Orientierungspunkte setzen, damit die vorbeiziehenden Besucherströme zum Innehalten bewegt werden können – das ist das Ziel, das sich die rund 800 Aussteller aus 70 Nationen gesetzt haben. Ein im Internetzeitalter überholtes Konzept, zu wenig Show, nur Stände aufbauen reicht nicht – diesen Vorwürfen sieht sich die Messe AG zusehends ausgesetzt. Doch für die Stadt Uelzen ist die Reisemesse in Hamburg die wichtigste Werbeveranstaltung überhaupt. „Hier können wir alle Interessenten ansprechen, von Tages- bis zu Übernachtungsgästen. Und auch Besucher, die sich nur für den Hundertwasserbahnhof interessieren“, betont Steffen. Da erhofft sich die Tourismus-Chefin in diesem Jahr einen Aufschwung, nachdem die Pleite des Arte-Restaurants und die so genannten „Stützstrümpfe“, die die abplatzenden Säulen hielten, das Interesse am Werk des Wiener Künstlers schwinden ließ. Doch das ist Geschichte, mit neuem Restaurantbetreiber und reparierten Kacheln soll es wieder aufwärts gehen.

Vom Sog des Bahnhofs zu profitieren – das erhoffen sich auch die Vertreter aus Bad Bodenteich, Ebstorf und Suderburg, die ebenfalls am Uelzener Stand präsent sind. Von Uelzen aus die Region erkunden – „das finden viele Besucher interessant“, weiß Martina Borchardt von der Touristinfo Suderburger Land. Sie wird unterstützt von Wacholderkönigin Manuela Arndt aus Bargfeld, die in ihrem „Kostüm“ die Blicke der Besucher auf sich zieht und auch mal durch die Hallen schlendert, um den heimischen Honig zu verteilen. Am heutigen Donnerstag präsentiert sich neben Uelzen auch Ebstorf, am Freitag und Sonntag wird es Bad Bodenteich sein, am Sonnabend Suderburg. Und alle haben ein „Original“ aus ihrem Ort dabei, vom historischen Ortsführer bis zur Marktfrau. Denn man muss erst mal Interesse wecken zwischen karibischem Flair und Südseesonne.

Von Thomas Mitzlaff

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