Von Woche zu Woche

Rauschende Flüsse, rauchende Köpfe

Wasser, das mit einem dreiviertel Meter Höhe über den alten Marktplatz rauscht, Eisschollen, die Bäume wie Messer abrasieren, Häuser unter Wasser. 1941 hat ein Uelzer das erlebt, bei dem letzten 100-jährlichen Hochwasser. Harmlos ist dagegen das Hochwasser der vergangenen Woche: Mehrere Häuser und Keller betroffen, das Schützenzelt in Bad Bevensen unter Wasser. Ein 100-jährliches Hochwasser trüge sechsmal so viel Wasser.

Kai Hasse

Damit nicht Ähnliches passiert wie 1941, rauchen derzeit in den Kommunen die Köpfe, denn der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz hat neue Karten zum Überschwemmungsgebiet herausgegeben. Darin sind einige Gebiete festgehalten, bei denen bei den Kommunen die Alarmglocken schellen müssen: Teile des Klärwerks und der alte Marktplatz in Uelzen, Randgebiete des geplanten neuen Kurhauses Bad Bevensen, große Teile des Ortskerns Bienenbüttels samt einer Grundschule. Uelzen will eine weitere Schwemmfläche schaffen, die das Schlimmste verhindern soll. Die Bad Bevenser Verwaltung hat eine Untersuchung in Auftrag gegeben, um sich ein detailliertes Bild über die Gefahr zu machen. Und Bienenbüttel? Bürgermeister Dr. Merlin Franke will die Informationsveranstaltungen des Landkreises abwarten. Bisher sei niemand auf die Verwaltung zugekommen. Nochmal: Es geht unter anderem um eine Grundschule mitten im Ort. Keine Initiative aus dem Rathaus Bienenbüttel, kein Nachhaken beim Kreis?

Festgesetzt werden die Gebiete voraussichtlich erst kommendes Jahr. Und nein, man muss nicht in Panik ausbrechen. Bestehende Gebäude sind geschützt, neue zum Teil unter Auflagen doch baubar. Wer aber ein Haus direkt im Gebiet bauen will, muss im Auge behalten, dass sein gewünschtes Gebäude ein Hochwasser eventuell sogar noch ungünstig kanalisieren kann. Und ernstnehmen sollte man die Karten in jedem Fall. Gerade als Verwaltung.

kai.hasse@az-onlinr.de

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