Uelzen ist (nicht) Köln

"Darf man seine Nationalität nennen? Ja, man muss"

„Es ist nichts mehr wie früher“, schreibt eine junge Frau im Internet. Nun ist Uelzen nicht Köln. Es gab keinen koordinierten Massenangriff auf feiernde Frauen. Hier handelt es sich um einen alkoholisierten Einzeltäter, der weibliche Kneipengäste aggressiv angeht und der Bedienung, die ihn zurückstößt, mit einem Messer droht.

Darf man seine Nationalität nennen? Ja, man muss.

Nicht nur über die Ereignisse in der Kölner Silvesternacht, auch von dem Vorfall in Uelzen hat die Polizei verspätet und erst auf Nachfrage der AZ berichtet. Das ist kein Versehen eines einzelnen Beamten, sondern hat System. Polizisten berichten seit Jahren, dass sie gehalten sind, die ethnische Herkunft der Beschuldigten tunlichst für sich zu behalten. Dahinter steht das falsch verstandene Bemühen, bestimmte Volksgruppen nicht zu stigmatisieren.

Richtig ist: Kriminalität ist keine Erfindung von Einwanderern. Flüchtlinge dürfen nicht unter Generalverdacht gestellt werden. Wer aber die Herkunft der Verdächtigen ausblendet, manipuliert das Lagebild, um den Imperativ der Willkommenskultur und die Politik der bedingungslos offenen Grenzen nicht in Frage zu stellen.

Wer die ethnische Herkunft ausblendet, sich spitzfindig darauf zurückzieht, jede Straftat, egal von wem begangen, müsse gleich verfolgt werden – eine Selbstverständlichkeit –, kann oder will die Gemeinsamkeiten nicht erkennen. Die Vorfälle von Köln sollen auf das Konto junger Nordafrikaner gehen, in Hamburg wurde ein Verdächtiger afghanischer Herkunft aus einem Flüchtlingsheim gefasst, der angezeigte Verdächtige aus Uelzen ist Algerier. Türkisch-libanesische Clans in Lüneburg respektieren weder Gesetz noch Polizei. Sie haben in Deutschland Asyl gefunden, als im Libanon Krieg herrschte.

Ideen sind mächtig. Lange nachdem die antiautoritäre Erziehung überholt war, setzte sie sich bei Eltern durch, die sich nicht mehr trauen, ihrem Nachwuchs Grenzen aufzuzeigen. Der Traum vom heilen Multikulti war selbst von vielen Grünen aufgegeben – Stichwort Parallelgesellschaften –, als ausgerechnet eine CDU-Kanzlerin das „Wir schaffen das“ verkündete und freiwillige Helfer vor den Notunterkünften Schlange standen. In Uelzen liefen Flüchtlingszüge ein, deren Passagiere niemand registriert hatte. Ein Sicherheitsproblem, wie die SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann einräumt.

Nach Köln scheint ein Teil der Öffentlichkeit aufgewacht zu sein. Politiker der SPD wie Kirsten Lühmann diskutieren Maßnahmen zur Reduzierung der Flüchtlingszahlen, die zuvor nur die CSU als Außenseiter zu fordern wagte. Und die Presse schildert jeden Vorfall, wo sie vorher befürchtet hätte, ausländerfeindliche Stimmungen zu begünstigen.

Mit dem Schüren einer „Progromstimmung“, wie in einer Radiodiskussion behauptet, (ein ziemlich unpassender Nazi-Vergleich) hat das herzlich wenig zu tun. Es ist eher der Versuch, die Realität anzuerkennen.

Von Gerhard Sternitzke

Rubriklistenbild: © dpa

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