Von Woche zu Woche

Uelzen muss sein Ändern leben

Die Initiative ist mehr als lobenswert: Junge Uelzener entwickeln ein Konzept für ihre Stadt. Für eine Stadt, in der sie und andere junge Menschen samt ihrer Familien sich wohl fühlen. Eine Stadt, hinter der sie stehen, auf die sie stolz sind. Weil es ihre Stadt ist. Ihre Ilmenaustadt.

Der erste wichtige Schritt zu dieser Stadt, deren Herzstück eine komplette Umgestaltung des Ilmenaulaufs und des Herzogenplatzes ausmacht, ist nun getan: Die zuständigen Fachausschüsse der Stadtpolitik haben grünes Licht für eine Machbarkeitsstudie gegeben. Und auch diese Entscheidung ist mehr als lobenswert. Weil mutig und mit dem Willen, einer Vision Gestalt zu geben.

Ines Bräutigam

Denn das Vorhaben, das die gewachsenen Stadtstrukturen völlig auf den Kopf stellen wird, ist ambitioniert. Die Kosten, die es verursachen könnte, stehen ebenso in den Sternen wie die Option, das zu investierende Geld durch den Verkauf von Immobilien – die erst noch gebaut werden müssten – wieder reinzubekommen. Ambitioniert eben. Und Ambition ist nichts anderes als Ehrgeiz. Von diesem großen Ehrgeiz einer Handvoll Initiatoren, die im Laufe der Zeit eine Vielzahl von Mitstreitern um sich geschart haben, soll eine ganze Stadt profitieren. Und das wird sie gewiss, sollte die Ilmenaustadt Realität werden, mit ihren Wasserspielen und -becken auf einer mediterran anmutenden Piazza. Wer wird dort nicht gern flanieren, auf den Stegen sitzend die Füße ins Wasser halten, die Weite eines Ilmenau-Stadtsees genießen?

Anders als Engagement ist Ehrgeiz oft aber auch auf eigenen Nutzen ausgerichtet. Und den wird auch mancher Ideengeber der Ilmenaustadt haben, weil sich in seinem Besitz Gebäude befinden, die durch das Konzept profitieren und aufgewertet würden. Nichts Verwerfliches freilich. Zumal dieser Nutzen gewiss ein starker Antrieb für den Motor des Willens ist, die Ilmenaustadt Wirklichkeit werden zu lassen und Motivation dafür, auch gegen Kritiker und Zweifler durch- und an dem Konzept festzuhalten.

Aus dem Rilke-Zitat „Du musst dein Leben ändern“ ist irgendwann einmal das verdrehte „Du musst dein Ändern leben“ geworden. Es steht für den Mut zum Aufbruch, dafür, Dinge anzugehen anstatt sie zu beklagen. Und für die Hingabe, sich für Dinge einzusetzen, für die man brennt.

Die Initiatoren der Ilmenaustadt brennen für ihre Idee, und sie haben Funken geschlagen. Ein Funke ist nun auf die Stadtpolitik übergesprungen. Und damit macht sich Uelzen auf den Weg, sein Ändern zu leben. Was hat Uelzen zu verlieren?

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