Uelzen lässt im kommenden Jahr Luther aufleben

Viele Veranstaltungen zum Reformations-Jubiläum in Uelzen

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Demnächst in Uelzen? In Wittenberg präsentierte sich jüngst dieses Paar vor dem Rathaus. Auf dem Stadtfest stellten sie Martin Luther und Katharina von Bora dar.

Uelzen. Reisen „auf Luthers Spuren“, Themen-Radtouren, Filmvorführungen, Ausstellungen, Kirchenkabarett und Talkshows im Theater – es ist ein vielfältiges Programm, das Stadt und Kirche in Uelzen mit diversen anderen Organisationen für das kommende Jahr auf die Beine stellen.

Und das aus einem speziellen Grund: Dem 500-jährigen Jubiläum der Reformation. „Ich stelle fest, dass das Jubiläum vielfach als altbacken, belanglos und langweilig abgetan wird, obwohl vieles, das wir heute als selbstverständlich erachten, seinen Ursprung in der Reformation hat“, sagte Organisatorin Karin Feldmann gestern im Rathaus auf einer Pressekonferenz. Für die Fachbereichsleiterin Kultur der Hansestadt ein Grund, „2017 zu einem ganz besondern Jahr“ zu machen – auch in Uelzen.

Propst Jörg Hagen stellte in dem Gespräch heraus, welche kulturellen Auswirkungen das Jahr 1517 hatte, in dem Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben soll. Eine Veränderung des Gottesbildes, damit einhergehend die Anerkennung des ihm eigenen Wertes jedes Menschen, Bildungsanspruch für alle Menschen und die Verantwortung des Bürgertums für die Gesellschaft hätten ihre Wurzeln in der Reformation. „Freiheit und Verantwortung“, so Hagen, seien zentrale Begriffe im Zusammenhang mit der Reformation.

In Uelzen hat der damalige Herzog Ernst der Bekenner die Reformation vorangebracht und so Kirche und Gesellschaft zwischen Lüneburg und Celle gegen Widerstände der Klöster wie Ebstorf modernisiert, berichtet Hagen. Und so habe auch in Uelzen die Fokussierung auf das Jenseits samt der Angst vor einem Schmoren in der Hölle einer positiven Betonung und aktiven Gestaltung des Diesseits weichen können

Ferner habe sich vor 500 Jahren auch im Bürgertum der reichen Hansestadt eine verantwortliche Haltung für die Gesellschaft etablieren können, die sich beispielsweise in Armenkollekten, der Aufwertung des städtischen Selbstbewusstseins und einer grundsätzlichen „Geschwisterschaft“ der Menschen gezeigt, so Hagen.

Da die Haltung des jeweiligen Herrschers maßgeblich für die Bevölkerung war, wurde mit dem Herzog die ganze Region Uelzen reformiert. Mit dem Effekt, dass es heute 28 evangelisch-lutherische Gemeinden im Landkreis gebe und dass 60 000 von 95 000 Landkreisbewohnern Mitglied in der evangelischen Kirche seien.

Losgelöst von der konfessionellen Zugehörigkeit oder Prägung erlebt Silke Becker, Fachobfrau Religion am Herzog-Ernst-Gymnasium, Selbstfindung und den Drang, die eigene Umgebung und die Welt zu gestalten, als Drang ihrer Schüler wahr. Insbesondere bei Achtklässlern, mit denen sie 2017 eine Ausstellung zu Lebensbereichen der Reformationszeit erarbeiten wird – einer von vielen Bausteinen in Uelzens Programm zum Reformationsjubiläum 2017.

Von Steffen Kahl

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