Der gebürtige Uelzener Axel Klingenberg hat Niedersachsen unter die Lupe genommen

„Uelzen kriegt schon sein Fett weg“

+
„Die Wahrheit über Niedersachsen“ heißt das neue Buch des in Uelzen geborenen Autors Axel Klingenberg. Darin beschreibt er Land und Leute zuweilen recht bissig.

Uelzen/Landkreis. Der gebürtige Uelzener Autor Axel Klingenberg (48) hat sich in seinem Bundesland intensiv umgeschaut und seinen Landsleuten nicht nur aufs Maul geschaut. „Die Wahrheit über Niedersachsen“ heißt sein gut 150 Seiten starkes, neues Buch.

Darin beschreibt der verheiratete Familienvater Land und Leute sowie ihre Eigenheiten mal liebevoll, mal ironisch bissig. Er garniert seine Beobachtungen mit Ausflugstipps für die Regionen Niedersachsens, die er bereist hat. AZ-Redakteur Jens Schopp sprach mit dem seit 25 Jahren in Braunschweig lebenden Autor.

AZ: Herr Klingenberg, Ihr Buch ist eine Mischung aus augenzwinkerndem Hochnehmen ihrer Landsleute und Mini-Reiseführer für Nicht-Niedersachsen. Wieso?

Axel Klingenberg: Weil die Welt niemals nur schwarz oder weiß ist. Einerseits gibt es in Niedersachsen wirklich tolle Landschaften und echt schöne Städte – andererseits ist dieses Bundesland von einer gewissen Provinzialität geprägt. Ich wollte also sowohl die schönen Seiten zeigen als auch auf die „dunklen Flecken“ aufmerksam machen.

Was haben Sie gegen Provinzialität?

Stadtluft macht frei. Das habe ich gemerkt, als ich 1991 von Bodenteich nach Braunschweig gezogen bin. Man hat in einer großen Stadt mehr Möglichkeiten. Wie soll man als Jugendlicher ohne Auto im Landkreis in die nächste größere Diskothek kommen?

Das ist schon schwierig, wohl wahr, aber deshalb gleich beißende Ironie?

Das ist wohl eine Eigenschaft meiner Persönlichkeit. Mit Ironie schaut man von außen auf ein Objekt und versucht zu erkennen, was lustig daran ist, welche unfreiwillige Komik es bietet.

Sie stammen aus Uelzen, streifen im Buch ihre Geburtsstadt aber nur. Wäre Ihr Urteil zu vernichtend ausgefallen?

Na ja, Uelzen kriegt natürlich schon sein Fett weg, besonders der Hundertwasser-Bahnhof. Und auch die Lüneburger Heide mitsamt dem Heidedichter Hermann Löns, das Wendland und Lüneburg bleiben nicht verschont. Ich glaube, allzu vernichtend wäre mein Urteil über Uelzen nicht geworden. Die Stadt ist ja eigentlich ganz typisch für Niedersachsen und vergleichbar mit Städtchen wie dem nicht weit entfernten Gifhorn, aber auch mit einer Kleinstadt wie Nordhorn im Emsland.

Wenn Sie Uelzen einen Abschnitt gegönnt hätten, was bekäme der Schmökerfreund zu lesen?

Den O-See und die Punk-Kneipe Frontline erwähne ich ja lobend, weil ich mit diesen Orten sehr schöne Erinnerungen verbinde. Als ich noch im Landkreis gewohnt habe, war ich ja sehr nachtaktiv, war oft im Komma und im Gaudi, manchmal auch im Bierschlauch. Und in den Jahren davor natürlich in der Klimperkiste.

Über diese Zeit würde ich gerne mal schreiben. Mache ich sogar manchmal, zum Beispiel habe ich mich schon des Öfteren über meine musikalische Sozialisation ausgelassen. Bei den Shows von „Read Em All“, unserem Heavy Metal-Lesetrio, erzähle ich zum Beispiel gerne über die Bands Torchure und Adrian, die damals sehr wichtig für mich waren.

Haben Sie noch Verbindungen nach Uelzen?

Na klar, ich habe ja noch Familie in Bodenteich und komme jedes Jahr zum Osterfeuer. Nur in diesem Jahr ist es ausgefallen. Meine Tochter fährt regelmäßig auf einen Reiterhof in Kattien. Der ist neben dem Haus eines Jugendfreundes von mir, bei dem ich immer betrunken auf dem Sofa übernachtet habe. Hoffentlich liest sie das jetzt nicht...

Kommentare