Vor allem der Konsum von Cannabis und Spice nimmt immer mehr zu

Drogen: In Uelzen kriegt man alles

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Bislang ist Cannabis eine illegale Droge. Der Konsum von Marihuana und Haschisch nimmt dennoch immer mehr zu.

Uelzen/Landkreis. „Wir wissen nur das, was uns die Leute sagen. Es gibt viele, die heftigst konsumieren, aber denken, dass sie damit zurechtkommen.“

Martina Lapins, Leiterin der Uelzener Fachstelle für Sucht und Suchtprävention des Diakonieverbandes Nordostniedersachsen, ist durch ihren Beruf seit über 20 Jahren mit der Drogenszene vertraut. Um Licht in die Dunkelziffer zu bringen, führt die Fachstelle seit dem 1. Januar 2015 detaillierte Befragungen durch. Auf einem Fragebogen können Besucher angeben, welche Suchtmittel sie schon ausprobiert haben.

Von Alkohol und Zigaretten, die auch als Drogen gezählt werden, bis zu chemischen Drogen wie Crystal Meth und LSD sei bereits alles dabei gewesen. Die „Hitliste“ der zumeist männlichen Besucher führten Alkohol und Tabak an. Dahinter kämen Cannabis (3. Platz), Amphetamine (4.) und Kokain (5.). Gründe für den Besuch waren Alkohol (1.), Cannabis (2.) und Glücksspiel-Sucht (3.). Crystal Meth stehe an 5. Stelle.

Insgesamt steige die Beratungsnachfrage seit Jahren – hauptsächlich kämen 17- bis 28-Jährige, aber auch deutlich Jüngere und zum Teil sogar 70- und 80-Jährige. Der Beratungsbedarf bei Cannabis, Amphetaminen und Glücksspiel sei gestiegen. Weniger geworden sei dafür das Rauschtrinken unter den Jüngeren, auch wenn Alkohol „nach wie vor die Droge Nummer 1“ sei. Crystal Meth dagegen spiele noch keine größere Rolle: „Bislang sind vier oder fünf mit einem Problem damit zu uns gekommen“, sagt Lapins. Aufgrund der Befragung weiß sie allerdings: „Das ist hier schon viel stärker angekommen, als wir das wissen.“

Viele Konsumenten seien, das habe sich geändert, nicht nur von einer Droge, sondern mehrfach abhängig. Insgesamt sei die Risikobereitschaft gestiegen und auch das Internet spiele eine Rolle: „Da können sie sich alles bestellen“, ist sich Lapins sicher.

Fälle wie jüngst im Altmarkkreis Salzwedel, wo eine 19-Jährige nach dem Konsum von Cannabis und Spice in Lebensgefahr schwebte, sind Lapins und auch Uelzens Kripo-Chef Hans-Jürgen Nischk nicht bekannt. Das Drogenaufkommen im Stadt und Kreis Uelzen sei, so Nischk, im Fünf-Jahres-Trend nach wie vor gleichbleibend und ähnlich wie in anderen Landkreisen. „Wir haben hier keine Drogenhochburg“, sagt er. Allerdings bestätigt auch Nischk den zunehmenden Cannabis-Konsum, dieser sei jedoch „nicht besorgniserregend hoch“ und entspreche ebenfalls dem Trend. Es sei jedoch eine Altersverschiebung nach unten erkennbar. Auch Nischk und seine Kollegen haben es überwiegend mit männlichen Konsumenten zu tun. Extasy und Crystal Meth gingen gegen Null, Kokain-Verstöße würden weniger, aber dafür habe sich der Spice-Konsum 2015 im Vergleich zum Vorjahr bereits jetzt nahezu verdoppelt. Nischk: „Das beschäftigt uns schon stark.“

Martina Lapins ist sich derweil sicher: „Wenn ich Drogen haben will – in Uelzen komme ich da ran.“

Von Sophie Borm

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