Aus Sorge um die Demokratie: Junge Leute wollen sich weiterem Rechtsruck entgegenstellen

SPD Uelzen gewinnt Nachwuchskräfte

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Engagiert für eine demokratische Gesellschaft: Jeremy Heistermann, Fabian Willner, Reinhild Böckmann und Leon Billerbeck (von links) wollen sich weiter politsch betätigen. Motiviert hat sie das Projekt „Zehn unter 20“ der hiesigen SPD.

Uelzen. Sorge um die Gesellschaft in der wir leben – nicht weniger als das hat einem Projekt der SPD Uelzen/Lüchow-Dannenberg einen beachtlichen Erfolg beschert.

„Zehn unter 20“ hieß dieses Projekt, im Rahmen dessen nach dem Führungswechsel im Ortsverein (AZ berichtete) im Februar zehn junge Menschen aus der Region für Politik begeistert werden sollten. Mit zwölf Nachwuchskräften wurde schließlich die SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann gegen Ende des Projektes in Berlin besucht.

„Das Projekt lief super“, sagt Leon Billerbeck, stellvertretender Vorsitzender der Jusos, also der SPD-Jugendorganisation in Uelzen. Der Erfolg liege darin, junge Menschen für Politik begeistert zu haben. Dies mache sich nicht nur darin bemerkbar, dass die Zehn geknackt wurde – auch die Zahl der Facebook-Likes stieg deutlich. Und zu Treffen der Jusos kämen mittlerweile zehn bis 15 Leute. „Vorher saßen wir da zu dritt“, erinnert sich Billerbeck.

Für den 20-jährigen Studenten weht derzeit „ein rauer rechter Wind“ durch Deutschland. Im Fokus: Die Wahlerfolge der Alternative für Deutschland (AfD), Facebook-Hetze gegen Flüchtlinge oder auch der „Brexit“, der Ausstieg Großbritanniens aus der EU. Owohl, so Billerbeck, sich gerade junge Briten eine „progressive Politik“ samt EU und deren Erhalt gewünscht hätten. Für Billerbeck ist es vor dem Hintergrund dieser Beispiele für große politische Trends „wichtiger denn je, junge Menschen für Politik zu begeistern.“

Zu den gewonnenen Nachwuchskräften gehören Reinhild Böckmann, Jeremy Heistermann und Fabian Willner. Der 17-jährige Fabian aus Lüneburg hatte es trotz politischen Interesses nicht geschafft, sich ganz konkret politisch zu engagieren, bis er bei Facebook auf das Projekt aufmerksam wurde. Er nimmt seine Altersgenossen grundsätzlich als eher apolitisch wahr, sieht aber gerade auch in der Region Lüneburg gute Gründe dafür, daran etwas zu ändern. So habe beispielsweise die Junge Alternative, die Jugendorganisation der AfD, ihren Sitz in Bardowick vor den Toren Lüneburgs und auch die rechtsextreme Identitäre Bewegung sei hier stark vertreten. Einerseits handele es sich hierbei um unterschiedliche Organisationen, andererseits, stellt Fabian heraus, gebe es Überschneidungen im Personal und bezüglich politischer Positionen – auch mit der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands, der NPD.

Dabei berge gerade die Identitäre Bewegung die Gefahr, dass sich Jugendliche über einen „subtilen Sozialisationsprozess“ zunehmend rechte Positionen aneigneten, weil sie dies mit ihrem professionellen, modernen Erscheinungsbild und öffentlichen Aktionen ermögliche.

Die Gefahr in einem Rechtsruck sieht Reinhild vor allem darin, dass Grundsätze der freiheitlich-demokratischen Grundordnung an Bedeutung verlieren könnten: „Ich hätte Angst vor der Unterdrückung von Individuen oder Gruppen. Auch vor der Einschränkung der Religionsfreiheit.“ Jeremy sieht sogar eine Parallele zur Türkei: „Erdogan wurde demokratisch gewählt und jetzt wird jeder aussortiert, der ihm nicht passt. Es wäre meine Sorge, dass wir hier Zustände wie in der Türkei bekommen. AfD und Identitäre könnten das durchkriegen.“

Die Sorge um die Demokratie auf der einen, die Begeisterung für sie auf der anderen Seite – das ist das Ergebnis von diversen Seminaren und Aktionen zu Sexismus oder Internationalität, politischen Strukturen und Prozessen im Rahmen des Projektes, das die Jugendlichen auch SPD-Landtags- und Bundestagsabgeordneten wie Maximilian Schmidt und eben Kirsten Lühmann näher brachte.

Und wie geht es nach dem Projekt „Zehn unter 20“ weiter? Für Reinhild ist klar, dass sie sich weiter politisich engagieren wird – allerdings ist sie nicht auf die Jusos festgelegt. Fabian bleibt den Jusos treu, allerdings in Lüneburg.

Jeremy will sich in der Stadt Uelzen weiter engagieren und hat sich durch das Projekt fest den Jusos Uelzen angeschlossen.

Von Steffen Kahl

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