„Uelzen ganz weit vorne“

Michael

Uelzen. In diesen Sommermonaten machen sich in der Uelzener Innenstadt vermehrt Leerstände bemerkbar: Für rund 20 Geschäfte werden Mieter gesucht. Die gemeinsame Aktion von vielen Uelzener Händlern ist nach Ansicht von Stadtplaner Michael Kopske das geeignete Mittel für eine attraktive Entwicklung der Innenstadt. „Was im Zuge des Sommer-Schluss-Verkaufs passiert, das ist die perfekte Gegenstrategie“, sagt er. „Wenn jeder vor sich hinwerkelt, ist das schwierig. Mit so einem Konzept bringt man Belebung in die Innenstadt.“ Im Vergleich zu anderen Städten dieser Größe sei Uelzen mit seinem Angebot von Kultur und Einkaufsmöglichkeiten „ganz weit vorne“.

In der Innenstadt zeige sich – trotz der aktuellen Geschäftsaufgabe des Traditionsunternehmens Wilgrü – eine positive Entwicklung. Das sehe man an den Neubau- beziehungsweise Umbau-Plänen an den Standorten des ehemaligen Cafés Harder an der Veerßer Straße, des Uelzener Hofes an der Lüneburger Straße und des ehemaligen Reformhauses an der Bahnhofstraße, so Kopske.

Die Beteiligung der Uelzener Einzelhändler an den Plänen für die Innenstadt sind auch für den Architekten Georg Heinemann vom Büro für Stadt-, Landschafts- und Freiraumplanung, Kreikenbaum und Heinemann, aus Bremen „bemerkenswert“. Er beschäftigt sich seit rund 15 Jahren mit der Kernstadt und erstellte auch die Pläne für eine mögliche Fußgängerzone an der Veerßer Straße und schließlich für die Tempo-10-Zone, die sich noch in einer Test-Phase befindet. „Interessant für uns als Planer ist die Mitwirkung der Geschäftsleute in der Arbeitsgruppe Innenstadt, und dass der Prozess der Beteiligung auch gewollt wird“, erläutert er. „Da gibt es breite Diskussionen. Der Wunsch nach Verkehrsberuhigung war klar, da waren sich alle einig.“

Der Planer aus Bremen hat den starken Verkehr in den Marktstraßen und die Suche vieler Autofahrer nach Parkplätzen als störend wahrgenommen. Zugleich stelle er immer wieder im ländlichen Raum fest, dass Parkplätze und die Erreichbarkeit der Geschäfte ein wichtiges Thema seien. Die optimale Verkehrssituation in den Marktstraßen sei nur „ein Aspekt von vielen“, könne aber die Innenstadt aufwerten.

Eine weitere Belebung soll das Marktcenter bringen, das am Veerßer Tor entsteht. Nicht alle Händler in der Innenstadt stehen dahinter. Für den Geschäftsführer von Wilgrü, Jens Grünewald-Steiger, zum Beispiel bietet es keine ernsthafte Perspektive. „Ich denke, dass wir vom Marktcenter künftig profitieren werden“, sagt Stefan Stümpel vom Verein „Innenstadt Uelzen“, „auch Woolworth würde uns helfen.“ Aber in letzter Konsequenz dürfe man sich nicht auf das verlassen, was „von außen reinkommt“. „Wir müssen an einem Strang ziehen, dann bekommen wir auch die Unterstützung, wie wir sie uns wünschen“, betont der Geschäftsführer von „Kunst & Kreativ“.

Welche Strategie braucht es, um auch in Zeiten, in denen eine Stadt sich wandelt, zu bestehen? „Uns hilft die Tatsache, dass wir beim Verbraucher für eine gewisse Aussage stehen“, deutet der Vorsitzende des Handelsvereins für die Stadt Uelzen, Uwe Schwenke, in seiner Funktion als Geschäftsführer vom Modehaus Ramelow vorsichtig an. „Und was uns gut getan hat, ist die Tatsache, dass man investieren konnte in die Optik des Ladens, Licht, was eine Rolle spielt. Wir haben viele Markenlieferanten und wir hören auf unsere Kunden, all das spielt sicherlich eine Rolle.“

Für Kopske sind der Bau des Marktcenters neben dem Kreishaus und das geplante Gebäude für Wohnungen und Einzelhandel an der Schuhstraße ein weiteres Angebot, das Publikum anziehe, das dann auch in die Marktstraßen und Fußgängerzone gehe, um dort Geschäfte mit anderem Sortiment zu besuchen. Ein Problem an vielen Leerständen ist, dass die Verkaufs- und Lagerräume relativ klein sind. „Sicherlich wäre es schön, wenn sich einzelne Eigentümer zusammentun.“ Statt zwei kleinen Geschäften könnte es dann etwa eines mit einer Fläche von 550 Quadratmeter geben, Platz für ein „vernünftiges Lager“. In der Vergangenheit waren beispielsweise Grundstücke für ein Geschäft zusammengezogen worden, bei „Quickschuh“, der Stadt-Hamburg-Passage, dem Modehaus Ramelow und der Spielzeugwelt Otto Goyer. „Da müsste bei den Eigentümern die Bereitschaft wachsen“, schlägt der Mitarbeiter der Stadtverwaltung vor.

Kundschaft aus den Nachbarstädten zu erreichen, ist ein Ziel von Citymanager Joachim Lotz. „Ich versuche die Stadt für Leute von außen interessant zu machen und ihnen einen Grund zu geben, hier herzukommen“, sagt er. Die Stadt müsse so attraktiv sein, dass sie wiederkehren. Das Wohlgefühl möchte Lotz auch durch Aktionen wie das Uelzener Kulturfest und insbesondere das Stadtfrühstück steigern. „Jeder, der von außen herkommt, erzählt wie hübsch das hier ist – wer hier wohnt, dem fällt das nicht mehr auf“, sagt er.

Von Diane Baatani

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