Bürgermeister rechnet mit offizieller Entscheidung / Täglich zwei Züge und 900 Menschen

Uelzen als Flüchtlings-Drehkreuz

+
Von Uelzen in den Norden Deutschlands – schon in wenigen Tagen könnten täglich zwei Züge hunderte Flüchtlinge nach Uelzen bringen. Bleiben werden aber wohl nur relativ wenige.

Uelzen. Schon länger wurde spekuliert, jetzt steht wohl die Entscheidung des Landesinnenministeriums bevor: Der Uelzener Bahnhof wird das zentrale Drehkreuz für die Verteilung von Flüchtlingen in Norddeutschland. „Ich gehe stark davon aus, dass das so kommt.

Dafür spricht mehr als nur die strategisch günstige Lage Uelzens“, sagte Bürgermeister Jürgen Markwardt gestern. Auch Celle, Lehrte und Elze kämen aber theoretisch noch infrage.

Mit der offiziellen Entscheidung rechnet Markwardt in den nächsten Tagen. Ankommen würden dann bald zwei Züge am Tag. Ausgehend von Erfahrungswerten der vergangenen Zeit kämen also zusätzlich rund 900 Menschen täglich am Bahnhof an. Markwardt: „An Spitzentagen können das auch mehr Züge sein.“

Weil der Hundertwasser-Bahnhof ohnehin ein Drehkreuz sei, das werktäglich rund 10 000 Pendler – an Wochenenden bis zu 15 000 Menschen – nutzten, müsse das Hauptgebäude entlastet werden. Markwardt: „Man muss auch bedenken, dass wir am Wochenende viele Fußballfans hier haben, teils rivalisierende Gruppen. Diese Personenströme müssen getrennt werden, eine ausschließliche Abarbeitung über das Hauptgebäude wäre unzumutbar.“

Um das Personenaufkommen zu entzerren und die Einschränkungen am Bahnhof zu reduzieren, gebe es bereits konkrete Überlegungen. Die Ankunft der Flüchtlinge könne über das ehemalige Verteilzentrum der Post an der Zufahrt zum Bahnhofsgelände erfolgen. „Dort bestünde ein direkter Zugang zu Gleis 301“, sagte Markwardt. Ebenfalls in Betracht komme aber auch das Albrecht-Thaer-Gelände, wobei dort ein Behelfsbahnsteig gebaut werden müsste.

Markwardt stellte klar: „Das ist dann eine ganz neue Herausforderung, aber wir werden unsere Last tragen.“ Allerdings, so der Bürgermeister, sei der Aufwand dann nicht mehr nur mit Ehrenamtlichen leistbar. Gemeinsam mit Landrat Dr. Heiko Blume habe er dem Innenministerium daher mitgeteilt, was in Uelzen strukturell und konkret benötigt werde, um für die Aufgabe gerüstet zu sein.

Von Steffen Kahl

Lesen Sie am Mittwoch einen weiteren Artikel dazu im E-Paper und in der Printausgabe der AZ.

Kommentare