Uelzen ist erledigt

Wie kann Uelzens Innenstadt belebt werden – das ist Stoff für Kontroversen. Archivfoto: Ph. Schulze

Zur Diskussion um eine attraktivere Stadt: Wenn es das einzige ist, was ich in Uelzen positiv (???) verändern kann, nämlich feiern durch "Event-Gastronomie", dann ist das sehr traurig! Wenn ich eine "Stadt" attraktiver machen will, reicht dafür bestimmt auch nicht die Anleuchtung einiger Bauwerke aus!

Wer denkt, dass die Jugend und die Twens sich in Uelzen aufgrund eines beleuchteten Hauses wohler fühlen, der muss morgens seine Pillen vergessen haben einzunehmen. Oder das Beleuchten des verpissten Stadtgrabens – ich lach mich weg!Und was ist denn eine Event- Gastronomie? Saufen mit Unterhaltungsprogramm zu verblödeter Ballermann-Musik? Was ist denn großes dran an einer Event-Gastronomie? Hört sich ja erstmal ganz doll an für Provinzverblödete – so neudeutsch, so denglisch. Meine Frage: Lässt sich eine (Kleinst-)stadt wie Uelzen durch eine Event-Gastronomie wirklich aufwerten? Wer dieser Meinung ist, der ist ein Scherzbold! Und meint irgendjemand, dass alle andächtig stehen bleiben beim Ansehen beleuchteter Häuser? Uelzen sollte sich mal endlich klar werden über folgende Tatsache: es ist schlichtweg eine hässliche Kleinstadt, und sie wird es auch immer bleiben.Die Uelzener selbst malen sie sich gerne groß und größer. Da wird über "Innenstadt" geschrieben und geredet, über "den schönsten Weihnachtsmarkt Norddeutschlands" wie die AZ einst titelte…Hallo, merkt ihr es noch? Wisst ihr wie groß Norddeutschland ist? Wisst ihr was Einbildung, Hochnäsigkeit und Arroganz ist? Eure Innenstadt ist gerade einmal 200 x 200 Meter klein, und das war es dann auch schon! Da kann man im Sommer aufgrund völlig verfehlter Stadt- und Verkehrswegeplanung mittendrin im Straßenverkehr sein Eis lutschen.Uelzen ist laut, es stinkt nach Kläranlage, nach Zuckerfabrik, nach Milch und nach Teer; und es ist hässlich! Uelzen ist leer und ausgesaugt. Aufgrund falscher Stadtplaner, aufgrund falscher Investitionen, aufgrund fehlender Investitionen. Seht es ein und begreift es: Uelzen war hauptsächlich Arbeiter- und Beamtenstadt (der ehemalige, für eine Klein(st)stadt riesige Güterbahnhof; die ehemalige Brauerei; das ehemalige Asbestwerk am Bahnhof) – muss man sich mal vorstellen!; Verwaltungen hier und dort…. Mehr ist Uelzen schlichtweg nicht! Da kann man noch so sehr versuchen, irgendwo etwas herauszuholen, und wenn es nur das Anleuchten von dämlichen, toten Häusern ist.Oder das Betonen des Hundertwasser-Bahnhofs zum zig- 1000. Mal. Aber lieber ehemaligen Nazis Straßennamen schenken; Anlieger, die sich über eine mögliche Umbenennung aufregen – das ist Uelzen! Uelzen ist erledigt! Und auch wenn einmal im Jahr ein Festival stattfindet – damit ist dieses größere Dorf auch nicht zu retten. Damit wird sich dann aber gebrüstet. Was waren das denn für Bands bis jetzt? Dass man keine Weltstars bekommt ist klar; dass Jan Delay wirklich eine gute Stimme hat, ist auch klar.Aber ist dies das einzige, was Uelzen zu bieten hat? Ein (!) Festival im Jahr, alte Leute, die sich über den Weinmarkt aufregen, weil zu laut. Kleine, doofe Spießer, die nur auf die Jugend rumhacken, meckern und motzen können? Die sich aufregen, wenn es am Wochenende mal etwas lauter wird. Ist das Uelzen?Ist Uelzen Zuckerfabrik und Altenheim? Ist Uelzen Apotheke und Drogerie? Ist Uelzen längst verkauft an Billig-Discounter? Ist Uelzen Paradebeispiel für Aktenreiterei, verkaufte Ideologien und verschenkte Chancen? Ich sage: "ja"!Jörg Schewandowski,Stadensen′

Das Schönste an UelzenFolgender Text des Schreibers U.B. in der Allgemeinen Zeitung vom 10. Dezember 1930, also noch vor der späteren Kriegszerstörung Uelzens, bedient in der aktuellen Debatte vielleicht Beachtung: Da heißt es unter der Überschrift "Das Schönste an Uelzen" wie folgt:"Ein Freund unserer Stadt sendet uns folgende Zeilen: Bei allen, die nicht eingeborene Uhlenköper sind, ist es Mode, Uelzen für eine recht unschöne Stadt zu erklären. Was ist Uelzen? Ein Eisenbahnknotenpunkt, aber als Stadt kennt man es nicht, schätzt man es nicht hoch ein. An diesem Urteil des Ortsfremden hat die Bahnhofstraße viel Schuld, die trotz ihrer Baumreihen recht nüchtern und reizlos ist, die rechte Seite besonders. Die Außenviertel sind alle nicht schön, nochmals sei es gesagt, trotz der vielen Linden. Daran ist auch nichts zu ändern, die Uelzener werden sich damit trösten, dass das Vorhandensein seiner Außenstraßen mit ihren kleinen Häusern jedenfalls von Wachstum und Leben kündet. In der Innenstadt aber kennen sie einige trauliche Stellen, die ihnen recht lieb und wert sein können.Eine wirklich bedeutende Schönheit kann unsere Kreisstadt aber doch aufweisen, und es scheint, dass die Uelzener auf diesen Glanzpunkt ihrer Stadt noch gar nicht so stolz sind, wie sie es sein dürften ... Wir meinen den Blick auf Kirche und Rathaus von der Gudesstraße aus. Man gehe auf die Nordseite der Straße einige Häuser entlang und sehe dann zurück. Namentlich die hohe Wand des Eckhauses muss den linksseitigen Abschluß des Bildes gut bilden. Kommt dann eine gute Beleuchtung hinzu, so ist der Anblick geradezu großartig! Der Umriß der Marienkirche mit ihrem hochragenden feinen Chor und dem klotzigen Turm ist für sich allein sehr malerisch.Köstlich aber ist es, wie sich der so ganz anders geartete, schlichte und vornehme Bau des Rathauses davor hinschmiegt. Es muß die Schrägstellung der beiden Gebäude zueinander sein, die den besonderen Eindruck mit hervorbringt..."Vielleicht sollte man den Stand-Punkt für diese Aussicht besonders kennzeichnen, auf jeden fall sollte die geplante Event-Gastronomie diesen immer noch schönen Ausblick nicht stören.Vielleicht könnte man auch mehr solcher "traulichen Ecken" fördern.Eckehard Niemann,Varendorf

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