Streit um angebliche Kündigung eines Ärztlichen Direktors

Übles Spiel mit den Patienten

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Für die Patienten von Helmut Schmidt blieb das Medizinische Versorgungszentrum gestern geschlossen.

Uelzen. Die Sprechstunde hat noch gar nicht richtig begonnen, da ist sie schon wieder vorbei gestern Vormittag in der Praxis von Helmut Schmidt im neuen Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) am Hammersteinplatz.

„Tut mir wahnsinnig leid, ich darf keinen von ihnen mehr behandeln, weil ich soeben die Kündigung bekommen habe“, sagt der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie zu den Patienten, die zu diesem Zeitpunkt schon Wartezimmer und Flur füllen. „Wir dachten erst noch, der macht einen Scherz an seinem ersten Arbeitstag nach dem Urlaub“, schildert eine Betroffene später der AZ.

Doch Schmidt macht keinen Witz. Minuten später stehen die fassungslosen Patienten in der Kälte vor der Tür und diskutieren. Manche weinen. Einige von ihnen sind schon seit vielen Jahren bei Schmidt in Behandlung, haben ein enges Vertrauensverhältnis aufgebaut. So wie Christiane Haumann aus Munster. „Wohin sollen wir jetzt gehen?“, fragt sie. „An wen sollen wir uns wenden mit unseren Sorgen, unserem Kummer, und mit all den Problemen?“

Fachärzte für Psychiatrie sind rar gesät in der Region, die Wartelisten sind entsprechend lang. Deswegen setzen viele große Hoffnungen in das neue Versorgungszentrum am Hammersteinplatz, das am 1. Januar 2012 seine Pforten öffnete. Dort sind die Ärzte angestellt, Helmut Schmidt ist als Ärztlicher Direktor in verantwortlicher Position tätig. Jetzt hängt ein eilends geschriebener Zettel an der Tür: „Wegen Krankheit bleibt die Praxis b. a. w. geschlossen“.

Geschockt über den Vorfall sind nicht nur die Patienten, sondern auch der Geschäftsführer des MVZ, Rino Grundei. Durch einen Anruf von der AZ erfuhr er gestern Mittag von dem Drama, das sich in und vor der Praxis abspielte. „Ich bin überrascht und entsetzt“, erklärte er.

Am Morgen vor Sprechstundenbeginn habe er den Ärztlichen Direktor aufgesucht, „um ihn nach seinem zweiwöchigen Urlaub zu begrüßen“. Dass Helmut Schmidt unmittelbar danach alle Patienten nach Hause schickt, ist Grundei unbegreiflich: „Ich habe ihm nicht gekündigt, niemand hat ihm gekündigt“, betont der Geschäftsführer. Schmidt selbst war gestern zu keiner Stellungnahme zu erreichen. Währenddessen schwankt die Stimmung bei den Patienten zwischen Verzweiflung und Entschlossenheit. Schnell sind 35 Unterschriften zusammen, in denen die Geschäftsführung aufgefordert wird, die angebliche Kündigung des Facharztes zurückzunehmen. „So kann man doch mit uns nicht umgehen“, entrüstet sich eine Seniorin. „Ich habe bei meiner Krankenkasse angerufen und meine Empörung kundgetan, die hatten auch schon gehört, was passiert war“, schildert eine andere.

Doch was ist nun eigentlich passiert? Ein Ärztlicher Direktor, der vor seinen Patienten behauptet, gefeuert zu sein und der sofort die Arbeit niederlegt. Eine Geschäftsführung, die davon angeblich nichts weiß. Interne Querelen also offenbar – deren Leidtragende die Patienten sind. „Wir werden im Moment allein gelassen mit allem, was uns belastet und wo wir Hilfe so dringend nötig haben“, sagt Christiane Haumann.

Von Thomas Mitzlaff

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