Im Prozess gegen zwei Mitglieder der Douglas-Bande schildert erstmals ein Zeuge detailliert die brutalen Attacken vom 2. Juli

„Es gab Tritte von oben auf den Kopf“

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Ismail N. (links), hier mit seinem Anwalt Martin Schaar, beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Lüneburg. Der 19-jährige soll eine Bierflasche aus einer angrenzenden Kneipe geholt haben, um damit das Opfer niederzuschlagen.

Uelzen/Lüneburg. Daniel R. (Name geändert) ist der erste Zeuge, der nicht unter Gedächtnisverlust leidet. Detailliert schildert er gestern vor der Jugendkammer des Landgerichts Lüneburg, wie in den frühen Morgenstunden des 2. Juli in der Uelzener Innenstadt ein Mensch brutal zusammengeschlagen und -getreten wurde.

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Und es ist das erste Mal, dass der Angeklagte Ismail N. Reaktionen zeigt. Minutenlang hat er den Zeugen fixiert und als dieser ihn schwer belastet, formuliert er mit dem Mund lautlos Worte, die nach seinem Gesichtsausdruck zu urteilen nicht sehr schmeichelhaft sein dürften.

Zuvor war die Stimmung auf der Anklagebank noch entspannt gewesen. Die beiden jungen Männer scherzen vor Verhandlungsbeginn miteinander, den Familienmitgliedern im Zuschauerraum wird der erhobene Daumen gezeigt. Der Prozess in Saal 121 ist bis dahin geprägt von überraschendem Gedächtnisverlust der Zeugen.

Doch der Berufsschüler gestern Morgen erinnert sich noch daran, was er gesehen hat. Der Vorfall begann mit einem 18-Jährigen, der an der Gudesstraße in die Büsche pinkelte. Es gab deshalb eine Auseinandersetzung mit einem Pärchen, „wir kamen zufällig dazu und meine Freunde haben die auseinandergehalten“, schildert der Zeuge. Dann sei das spätere Opfer erschienen, um das Pärchen aus der misslichen Situation wegzubringen. Doch plötzlich sind sie von den Bekannten des 18-Jährigen umringt, sie werden der so genannten Douglas-Bande zugeordnet. „Dann kam plötzlich Ismail angelaufen, ist auf ihn zugesprungen und hat ihm mit einer Flasche gegen den Kopf geschlagen“, schildert der Heranwachsende. Zuvor habe der mutmaßliche Angreifer noch seine Jacke ausgezogen und ihm in die Hand gedrückt.

Das 41-jährige Opfer habe keine Abwehrreaktion gezeigt, sei umgefallen und habe keine Anstalten gemacht, wieder aufzustehen. Als der Mann wehrlos am Boden lag, habe es Tritte von den anderen jungen Männern gegeben, „von oben auf den Kopf“. Er sei schockiert gewesen, so der Zeuge: „Seht euch das mal an, wie kann man sowas machen“, habe er zu seinen Freunden gesagt. „Das sah schon sehr bedrohlich aus.“ Das Opfer habe sich längst nicht mehr bewegt. Laut Anklage seien Türsteher dem Schwerverletzten zur Hilfe gekommen, ein Rettungswagen brachte ihn auf die Intensivstation des Klinikums, wo er mit einem Schlauch in der Luftröhre beatmet wurde. Eine Blutprobe ergab 2,44 Promille.

Die Angeklagten schweigen zu den Vorwürfen, sie sitzen in Untersuchungshaft. Das Landgericht hat in dem Prozess wegen versuchten Totschlags Verhandlungstage bis in den Februar angesetzt. Es werden über 30 Zeugen angehört.

Von Thomas Mitzlaff

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