Ein Jahr nach Reform: Hausbesitzer wechselten kaum ihre Schonsteinfeger

Treue zu Kaminkehrern

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Uelzen/Landkreis. Der große Wechsel blieb aus: Seit einem Jahr dürfen Hausbesitzer durch das überarbeitete Schornsteinfegergesetz entscheiden, wer ihnen zum Kehren auf das Dach steigt.

„Die überwiegende Mehrheit der Eigentümer im Raum Uelzen“, so weiß Wolfgang Vogel, „blieb jedoch bei ihren früheren Schornsteinfegern. “ Vogel ist Landesinnungsmeister der Schornsteinfeger in Niedersachsen, damit der Vertreter der Männer in Schwarz, und selbst Kaminkehrer im Raum Rosche. Vor der Reform waren den Schornsteinfegern die Bezirke zugeordnet worden. Wer damals 2000 Haushalte in seinem Bezirk fest betreute, habe nun zwischen zehn und 100 neue Kunden. In einzelnen Fällen bis zu 300 neue Kunden. „Nichts Dramatisches also“, meint Vogel.

Die weitestgehende Treue der Hauseigentümer führt der Landesinnungsmeister vor allem auf die Kundenzufriedenheit zurück. Für seinen Betrieb habe er beispielsweise eine Umfrage durchgeführt – mit dem Ergebnis, dass ihm eine gute Arbeit bescheinigt worden sei und die Hausbesitzer für einen Wechsel keinen Grund gesehen hätten. Die Kunden wüssten auch den Service der Kaminkehrer zu schätzen. Denn: Wer einen freien Handwerker mit spezieller Zulassung für das Kehren und Messen beauftragt, wird in die Pflicht genommen. Hauseigentümer haben dann darauf zu achten, dass sie die Prüfzeiträume einhalten. Einfacher ist es mit einem Schornsteinfeger. Und: Preiskämpfe, die Hausbesitzer dazu bringen könnten, nach einem neuen Schornsteinfeger Ausschau zu halten, seien ausgeblieben, sagt Vogel. Zwar könnten Preise frei gewählt werden, doch die bislang 25 Euro brutto für ein Kehren seien kaum zu unterbieten. „Es ist nicht nur die Anfahrt und die Arbeitszeit vor Ort, sondern auch die Kosten für das Arbeitsmaterial, die berücksichtigt werden müssen“, erklärt der Landesinnungsmeister. Es seien mittlerweile nicht mehr nur die Kehrbesen vorzuhalten, sondern auch moderne Messgeräte, die für die Überprüfung von Heiz- und Gasanlagen nötig seien.

Die Liberalisierung des Marktes für Schornsteinfeger hatte ihre Grenzen bei der Sichtung der alle dreieinhalb Jahre notwendigen Feuerstättenschau. Hier gilt die freie Wahl der Schornsteinfeger nicht. Es werden noch feste Bezirke vergeben, aber nicht mehr durch das Land, sondern nach einem Bewerbungsverfahren. Alle sieben Jahre werden die Bezirke ausgeschrieben, ein Großteil in 2014 und 2015 erstmals. Von bereits erfolgten Ausschreibungen weiß Vogel, dass bis zu 15 Bewerbungen eingingen. Die Schornsteinfeger hätten eine klassische Bewerbung abzugeben und müssten ein Vorstellungsgespräch bestehen, bevor sie den Zuschlag erhielten. „Früher standen Schornsteinfeger auf einer Liste und warteten, bis ihnen ein Bezirk zugeteilt wurde, jetzt stellen sie sich einem Wettbewerb, der sie nicht schlechter stellt“, sagt Vogel.

Von Norman Reuter

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