Was will ich mal werden? – „Frühling schnuppern“ an den Berufsbildenden Schulen gibt Rat

Vom Traum zum Traumberuf

Marc Müsgen von der Fachoberschule Forstwirtschaft zeigt den Umgang mit der Motorsäge

Uelzen. Im Kindergarten wussten sie genau, was sie „später einmal werden“ wollten. Nach zehn Jahren Schule ist die Verunsicherung unter Jugendlichen aber groß.

Denn inzwischen wissen die künftigen Schulabsolventen, dass es bei der Berufswahl um mehr als nur um einen Wunsch geht – nämlich darum, „was er die nächsten 50 Jahre machen will“, sagt eine Mutter, die beim „Frühling schnuppern“ der BBS I und der BBS II-Georgsanstalt schon um neun am Morgen mit ihrem Sohn durch die Räume der Berufsbildenden Schulen schlendert.

Viel Engagement: Emine Önen will Bäckereifachverkäuferin werden. Fotos: Jansen

Es geht um die Zugangsvoraussetzungen, die Verdienstmöglichkeiten und die Weiterbildungsmöglichkeiten, berichten die Aussteller, die an den Tischen die Berufsfelder vorstellen, für die in Uelzen eine fundierte Ausbildung angeboten wird. Schüler, Auszubildende und Lehrer der BBS I und der Georgsanstalt haben für ihre Fachgruppen jeweils einen Informationsstand aufgebaut, halten Infomaterial bereit, beantworten Fragen und führen Tätigkeiten aus der Praxis vor. Die Liste der Berufsfelder ist lang: Wirtschaft und Verwaltung, Metalltechnik, Elektrotechnik, Bautechnik, Holztechnik, Textiltechnik und Bekleidung, Chemie, Physik und Biologie, Drucktechnik, Farbtechnik und Raumgestaltung, Körperpflege, Ernährung und Hauswirtschaft, Agrarwirtschaft, Landmaschinentechnik, Fahrzeugtechnik, Forstwirtschaft, Gartenbau, Floristik, Altenpflege, Heilerziehungspflege, Hauswirtschaft, Ernährung, Erzieher, Pflegeassistenz.

„Für viele Jugendliche ist die Ausbildungsvergütung wichtig“, erzählt Fachpraxislehrerin Sandra Schweiger und tritt dem Vorurteil eines schlecht bezahlten Friseurberufes mit der offiziellen Vergütungstabelle entgegen. „Schließlich geht es um das erste selbstverdiente Geld.“

Fachpraxislehrerinnen Sandra Schweiger und Sabine Matthies (von links) schauen zu, wie Saskia Martischewski und Model Samantha Kuschel Hochsteckfrisuren inspizieren, ganz rechts arbeitet Jasemin Michalek an ihrem Model Sandra, Angelin Müller reicht an.

Andere wollen wissen, welche Fortbildungsmöglichkeiten sie nach der Ausbildung oder der Berufsfachschule haben. Niemand, der sich mit 17 für eine praktische Berufsausbildung entscheidet, muss seinen Plan von einem späteren Studium aufgeben: Für Arbeitgeber sind Absolventen, die praktische wie theoretische Kenntnissen und Erfahrungen vorzuweisen haben, besonders interessant, bestätigt Fachlehrer Ansgar Büsse, der sich über den regen Zulauf am Schnuppertag freut. Der Jugendliche Florian etwa will auf jeden Fall etwas Technisches machen und fühlt sich am Gymnasium schon länger fehl am Platz. „Inzwischen verbringt er mehr Zeit in seiner selbst eingerichteten Werkstatt zuhause als in der Schule“, erzählt sein Vater. Die beiden interessieren sich für das Angebot der beruflichen Gymnasien.

Die Fachhochschulreife in den Bereichen Gesundheit und Soziales, Wirtschaft und Technik kann man in Uelzen nach zwölf Schuljahren und das zentrale Abitur nach dreizehn Jahren erwerben. Florian steuert allerdings direkt auf den Roboter zu, den der Fachbereich Elektrotechnik am Vormittag laufen lässt. Für ihn käme auch ein Lehrberuf in Frage, „aber Halle fegen will ich nicht, dafür kann ich schon viel zu viel.“

Aber ohne Engagement und Eigeninitiative geht es in keinem Beruf: Für Emine Önen, die eine Lehrstelle zur Bäckereifachverkäuferin sucht, ist das kein Problem, erzählt die Fachpraxislehrerin Brigitte Glandorf begeistert von dem Einsatz der Schülerin im Berufsvorbereitungsjahr. Wenn der Beruf Spaß macht, hat man auch Erfolg, wissen erfahrene Ausbilder. Fachpraxislehrer für Maler und Lackierer, Thomas Borgelt, freut sich über die Unterstützung seines früheren Schülers Thilo Hinz: „Der identifiziert sich mit seinem Beruf und legte prompt die Prüfung als Innungsbester ab.“

Von Angelika Jansen

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