Flutkatastrophe: Wie die größte russische Wochenzeitung „Argumenty i Fakty“ über „Helden aus Uelzen“ berichtet

Tränen und Häuser werden trocknen

Das Wochenblatt „Argumenti i Fakty. Europa“, das in russischer Sprache in 30 europäischen Ländern erscheint, schrieb über „Helden aus Uelzen“.

Uelzen. Die pan-europäische Ausgabe der größten russischen Wochenzeitung „Argumenty i Fakty“ hat über „Uelzener Helden“ berichtet: 22 000 Stunden waren freiwillige Feuerwehrleute des Landkreises Uelzen im Einsatz gegen Hochwasser.

Die Reportage berichtet über das Hochwasser 2013 in Deutschland und die große Hilfsbereitschaft der nicht betroffenen Bevölkerung und Hilfsorganisationen:

Am Sonntag, 9. Juni, wurde um 2 Uhr nachts bei der Uelzener Feuerwehr Alarm ausgerufen: Amt Neuhaus brauchte 240 Helfer für den Kampf gegen Hochwasser. Die Kreisfeuerwehrbereitschaft war schon am frühen Morgen des gleichen Tages vor Ort. Nicht nur freiwillige Feuerwehrleute und Technik, sondern auch Selbstverpflegung für zwei Tage mussten bereitstehen.

Von den bisherigen drei Einsätzen gegen Hochwasser im Jahr 2013 wurde dieser der schwerste. Die Hälfte des Einsatztrupps konnte am Sonntagabend wieder in den Landkreis zurückkehren. „Wir dürfen nicht unser eigenes Zuhause in Gefahr lassen: Wenn etwas passiert, müssen genug Kräfte vor Ort sein“, meint der stellvertretende Kreisbrandmeister Helmut Rüger, der seit 37 Jahren für die Freiwillige Feuerwehr aktiv ist. Solche Situationen stellten auch für seine Frau Britta eine Belastung dar, gerade bei plötzlichen mehrtägigen Einsätzen, während derer sie sich allein um Familie und Geschäft kümmern muss.

Lesen Sie auch: Nachlassen? Für sie ein Fremdwort!

120 Feuerwehrleute, Männer und Frauen, blieben dagegen am Deich zurück und haben zwei Wochen in Zwölf-Stunden-Schichten hart gearbeitet: zwölf Stunden am Platz, mindestens zwei Stunden für den Weg nach Hause und zurück, ausruhen und wieder an die Arbeit. Unter praller Sonne mussten Sandsäcke gefüllt, mit Hilfe einer Menschenkette von Hand zu Hand zum Deich transportiert und dort aufeinandergestapelt werden.

Am Einsatzort wurde alles von Spezialkräften koordiniert. Jeder bekommt eine Aufgabe zugewiesen und es geht direkt an die Arbeit. Ein Sandsack wiegt zehn bis 20 Kilogramm – je nachdem, wie nass der Sand ist. Manche Säcke waren nachts von dem Deich verschwunden: Scheinbar dachte sich jemand, dass der Deich ruhig brechen dürfe, solange sein eigenes Haus geschützt sei. So geht es eigentlich nicht.

„Wir haben den Menschen das Gefühl gegeben, dass wir sie nicht im Stich lassen und immer hilfsbereit sind“, sagt Helmut Rüger. „Es war schon harte Arbeit, manche haben Sonnenbrand und Insektenstiche bekommen, aber es ist – Gott sei Dank – nichts Schlimmeres passiert: Alle hielten mutig und hoch motiviert durch. Keiner jammerte oder beklagte sich, obwohl alle ihre Familien, teilweise mit kleinen Kindern, und ihre Arbeitsplätze zurücklassen mussten. Wir sind sehr stolz auf unsere Leute und danken allen herzlich für eine starke Leistung – auch den Familien!“

Zwei Fronten: Hochwasser und Menschen, nur durch einen Deich voneinander getrennt. Fotos/Skizze: Friedrichs

Der stellvertretende Kreisbrandmeister hat seine Kindheit und Jugend an der Elbe verbracht: „Da ist man an Überflutungen gewöhnt und nimmt das normalerweise ohne Panik hin, aber dieses Mal war es anders. Aus den Nachrichten wussten die Einwohner schon, dass es viel schlimmer wird als sonst. Zum Beispiel in Lauenburg stand das Wasser noch nie so hoch. Für sehr viele Menschen ist diese Naturkatastrophe auch eine Privatkatastrophe, sie fürchten um ihre Existenz. Und das Wasser steht immer noch, geht nicht komplett zurück. Dafür hat man viele Probleme mit der Versicherung – man kriegt einfach keine. Die Flutopfer brauchen dringend Hilfe.“

Die Freiwillige Feuerwehr des Landkreises Uelzen hat 4000 Mitglieder, davon 215 in der Kreisfeuerwehrbereitschaft. Der stellvertretende Kreisbrandmeister André Pieper – seit 21 Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr – ist unter anderem für die Selbstversorgung zuständig: „Es wurden 4000 Portionen heißes Essen vorbereitet: Frühstück, Mittag- und Abendessen, Mahlzeiten für die Nachtschicht. Man brauchte 5000 Liter Mineralwasser, 5000 Brötchen, 2200 Eier, 350 Kilogramm Fleisch und so weiter... 22 000 Arbeitsstunden waren wir in den drei Einsätzen, in Lüchow-Dannenberg, Lüneburg und im Amt Neuhaus, aktiv.

Beim Amt Neuhaus hat die Elbe zwar die Felder und Wiesen überschwemmt, kam aber nur auf ein paar Schritte an den Deich heran und verblieb dort. Der Ort hatte Glück.

Das russische Wochenblatt hat übrigens auch über Gabriela Müller aus Salzwedel geschrieben. Die Hausfrau hatte auf Facebook die Gruppe „Hochwasser Niedersachsen“ gegründet. Schon nach ein paar Tagen hatte diese Gruppe fast 40 000 Mitglieder. Ihre private Wohnung war wie eine Kommandozentrale für freiwillige Helfer, die alle zusammen viel geleistet haben: Sandsäcke gefüllt, warmes Essen verteilt, Sach- und Geldspenden für Flutopfer gesammelt, mit Ausräumen und Säubern geholfen und so weiter. Die Gruppe ist auch jetzt noch aktiv, weil noch sehr lange viel zu tun bleibt.

Von Liubava Friedrichs

Flut-Region aus der Luft

Altmark-Pegel sinken - neue Luftbilder

Kommentare