Polizei greift durch: Jugendliche zahlen zehn Euro für fehlendes Fahrradlicht

Tränen in der Dunkelheit

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Vorne funktioniert das Licht – und hinten? Polizeibeamter Frank Dreyer hat sich gestern Früh die Fahrräder der Schüler vom Lessing-Gymnasium genauer angesehen.

Uelzen. Es ist stockdunkel. Müde schauen die Kinder und Jugendlichen unter ihren großen, mit Kunstfell besetzten Kapuzen hervor. Manch ein Schüler wird auf seinem Fahrrad schlagartig hellwach, kurz bevor er am Uelzener Lessing-Gymnasium ankommt:

Die Uelzener Polizei hat gestern Früh an der Ecke Birkenallee Schülerfahrräder kontrolliert. Innerhalb von 30 Minuten halten die Beamten elf Kinder und Jugendliche an, die in der Dunkelheit ohne Licht unterwegs sind. Einige Schüler flitzen auf der falschen Straßenseite ohne Rücklicht schnell auf ihren Rädern an den Beamten vorbei, als diese mit Aufschreiben beschäftigt sind.

„Mit 16 Jahren ist man für die anderen kleineren Schüler schon ein Vorbild“, appelliert der Kontaktbeamte Frank Dreyer an eine Jugendliche, deren Vorderlicht nicht funktioniert. Er schreibt ihre Daten auf und weist darauf hin, dass sie sich innerhalb von sieben Tagen mit ihrem reparierten, verkehrssicheren Fahrrad zu melden habe. „Bei der Polizei?“, staunt die 16-Jährige, „oh Gott.“ Sie schiebt schnell die Schuld auf ihren Bruder, der tags zuvor mit ihrem Fahrrad unterwegs gewesen sei. „Seitdem geht die Lampe nicht mehr“, sagt sie.

Ein Stück weiter steht Dreyers Kollege und nimmt den Namen einer anderen Schülerin auf, der schon die Tränen übers Gesicht laufen. Sie erklärt, sie sei gerade erst von zu Hause ausgezogen und das sei alles ein bisschen viel für sie. Doch auch sie muss ihr Rücklicht reparieren und sich innerhalb der nächsten sieben Tage bei der Polizei melden. Zehn Euro Verwarngeld kostet es die über 14-Jährigen, die Jüngeren erhalten über ihre Schule ein Schreiben an die Eltern.

„Wir haben so oft Schüler angehalten und darauf aufmerksam gemacht, dass es gefährlich ist, ohne Licht zu fahren“, sagt Dreyer. Jetzt sei es Zeit, einen Schritt weiterzugehen. Alle paar Tage führen sie nun Kontrollen an Uelzener Schulen durch. Am Herzog-Ernst-Gymnasiums wurden einen Tag zuvor Radler überprüft, dort waren lediglich zehn Kinder und Jugendliche mit mangelhafter Beleuchtung unterwegs, ist Dreyer zufrieden. Schlimmer sei jedoch die Bilanz an der Sternschule und an der Theodor-Heuss-Realschule vor wenigen Tagen ausgefallen, wo bereits dreimal Fahrräder überprüft und Eltern informiert wurden: an beiden Schulen wurden dennoch jeweils innerhalb von 30 Minuten mehr als 50 mangelhafte Fahrräder festgestellt, sagt er. Im Oktober waren bei einer Überprüfung an der Realschule über 130 von 240 Fahrrädern nicht verkehrssicher (AZ berichtete), erinnert Dreyer. Als Nächste hält er eine erschrockene Fünftklässlerin an der Birkenallee an: Zusätzlich zu ihrer Beleuchtung vorne hat sie ein rot blinkendes Licht am Lenker und eines seitlich am Hinterrad angeklemmt. „Das Licht hinten kann man gar nicht sehen“, erklärt ihr Dreyer und hilft, die Lampe unter Gepäckträger und Tasche hervorzuholen.

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