Nach den Wirbelstürmen von Hamburg und Schleswig-Holstein: AZ-Gespräch mit Wetterexperten

Tornados – auch in Uelzen möglich

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Diese Windhose über Hamburgs Stadtteil Bramfeld führte unlängst dazu, dass die Feuerwehr den Ausnahmezustand ausrief. Hilger Erdmann aus dem Team des AZ-Wetterexperten Reinhard Zakrzewski sieht eine erhöhte Unwettergefahr für die Heideregion.

Uelzen. Zuletzt sorgten Tornados in Hamburg und Schleswig-Holstein in jeder Hinsicht für Wirbel. Eine Gefahr für Hab und Gut, für Leib und Leben, die lange überwiegend in den USA verortet wurde, scheint näher gerückt zu sein.

Doch wie bedroht ist die Region um Uelzen? AZ-Redakteur Steffen Kahl hat hierzu mit Hilger Erdmann aus dem Team des AZ-Wetterexperten Reinhard Zakrzewski gesprochen.

Windhose bei Wieren (Aufnahme vom 20. April 2012)

 

Herr Erdmann, können Sie in einfachen Worten erklären, wie ein Tornado entsteht?

Es braucht eine kalte Luftmasse in der Höhe und eine warme, feuchte am Boden. Weil diese Luftmassen von ihrer Dichte her unter Wirkung der Erdgraviation falsch herum liegen, kommt es zu einem Austausch, einer Vertikalbewegung der Luftmassen. Diese Bewegung kann sich bis zu einer Höhe von 15 Kilometern fortsetzen und bis zu 40 Metern pro Sekunde schnell werden.

Wie wird aus diesem Wind ein Tornado?

Die warme Luft kondensiert in der kalten Höhe als Unwetterwolke aus. Sofern Aerosole, also Staubpartikel, vorhanden sind, ist Reibung an Wasser- und Eisteilchen und die Entstehung von Elektrizität möglich. Es bildet sich eine Gewitterwolke, die durch variierende Windstärke und -höhe mit der Höhe eine Drehung bekommen kann. Und ein Tornado ist eine rotierende Gewitterwolke.

Wie bedroht ist die Heideregion um Uelzen?

Tornados sind auch in Uelzen möglich. Dafür spricht, dass der Heideboden ein Boden ist, der sich gut aufheizen kann. Dagegen spricht, dass der Boden eher feucht als trocken ist, dass es relativ viel bepflanzte Ackerfläche und Wald gibt, was das Aufheizen bremst. Auch dass es keine große Stadt gibt, spricht dagegen. Hamburg, aber noch mehr Berlin, begünstigen durch Bebauung auf großem Raum eine starke Erwärmung der Luft.

Das heißt, die Wahrscheinlichkeit für einen Tornado in Uelzen ist gering?

Ja, die Wahrscheinlichkeit für echte Tornados ist eher gering. Aber es gibt klimatische Veränderungen, die zumindest eine Häufung starker Unwetter mit Starkregen und Gewitter wahrscheinlich machen – auch in der Heideregion um Uelzen.

Welche sind das?

Wir Meteorologen beobachten zunehmend, dass in unseren Breiten kalte Luft aus dem Norden, auf warme, feuchte Luft aus dem Süden, dem Mittelmeerraum, trifft – die Mischung für gefährliche Unwetter und Gewitter – und im Extremfall auch für Tornados.

Was ist ihr Tipp für die Menschen in Uelzen?

Prüfen, ob die Versicherung Elementarschäden, also Schäden durch Starkregen, Wasserschäden und Erdrutsch abdeckt.

Unwetter-Gefahr noch immer nicht gebannt

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