Die Lüneburger Biologin Ulrike Ahlers nimmt am Soja-Versuch „1000 Gärten“ teil

Tofu aus dem eigenen Garten

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Die Lüneburger Biologin Ulrike Ahlers mit ihren Sojapflanzen. Im Versuch „1000 Gärten“ soll herausgefunden werden, ob man die eiweißreiche Pflanze auch in Deutschland anbauen kann.

Lüneburg. Eine Siedlung in Lüneburg. Häuschen mit spitzen Giebeln, gepflegte Vorgärten, ein paar Kiefern werfen Schatten. Hinter dem Haus von Ulrike Ahlers ein kleines Beet: Soja.

Saftig grüne Blätter, behaarte Stängel, einzelne weiße bis rosafarbene Blüten, so klein wie ein Stecknadelkopf. Die 45-jährige Biologin nimmt am Projekt „1000 Gärten“ teil. Ziel des Feldversuchs der Universität Hohenheim und des Tofuherstellers Taifun: Die wertvolle Eiweißpflanze aus China, die in Amerika im großen Stil angebaut wird, auch in Deutschland heimisch zu machen.

Ulrike Ahlers zückt eine Karte mit Grüntönen, vergleicht sie mit den Blättern der etwa 60 Zentimeter hohen Pflanzen und trägt die Werte in eine Tabelle ein. „Je dunkler die Blätter sind, desto stickstoffreicher ist die Pflanze“, erklärt die Biologin. Gedüngt hat sie – außer etwas Steinmehl – nicht. Die Sojabohne ist wie die heimische Gartenbohne ein Schmetterlingsblütler. „Sie macht ihren Stickstoff selbst“, weiß Ulrike Ahlers. Dafür sorgen Bakterien in den Wurzelknöllchen, mit denen der Boden des zehn Quadratmeter großen Beets extra geimpft wurde.

Die Lüneburgerin macht aus biologischem Interesse bei dem Experiment mit. „Ich bin keine Vegetarierin. Ich esse auch in Maßen Fleisch aus artgerechter Haltung“, erzählt sie. „Aus Soja kann man aber hochwertige eiweißhaltige Nahrung herstellen.“ Wenn sich der Anbau der wärmeliebenden Bohne in Deutschland durchsetze, sei das eine Alternative zum Import aus Amerika, wo überwiegend gentechnisch veränderte Sojabohnen angebaut werden. In der Kritik steht vor allem der großflächige Futteranbau für die Rindermast. „Wenn man das ändern kann, ist das eine gute Sache“, findet Ulrike Ahlers.

Um dieser Idee willen hat sie im Mai die Bohnen von zwölf verschiedenen Sojasorten gesteckt, hat sie mit einem Netz gegen Vögel geschützt, hat Unkraut gezupft, gewässert und den Fortschritt ihres Versuchsbeets dokumentiert. Obwohl es im Frühjahr nass und kühl war, kann sie jetzt die ersten kleinen Schoten sehen, wenn sie die Blätter zurückstreift.

Ihr erstes Fazit fällt positiv aus: „Der Boden ist relativ leicht. Er erwärmt sich schnell. Und die Bohne bringt ihren Stickstoff mit.“ Ob am Ende die Ernte stimmt, stellt sich im September heraus. Ein paar Bohnen wird sie aufheben und im nächsten Jahr wieder in den Boden legen.

Von Gerhard Sternitzke

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