Die Tochter missbraucht?

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Am Landgericht Lüneburg wird gegen einen 45-jährigen Familienvater verhandelt.

rast Uelzen. Eine 18 Jahre alte Uelzenerin hat im Juli 2009 ihrer Mutter erzählt, ihr Vater habe sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen. In den Computer der Mutter tippte sie, was der Mann ihr schon vor Jahren gesagt habe: „Es ist ein Geheimnis“, sollte sie es jemandem erzählen, sei sie tot. Seit gestern muss sich ein 45-jähriger Vater wegen sexueller Nötigung und Missbrauchs in 328 Fällen vor dem Landgericht Lüneburg verantworten.

Als das Mädchen elf Jahre alt war, hat der Vater es laut Staatsanwältin zweimal unsittlich berührt. Von 2005 bis 2008 – die Tochter war zwischen 14 und 17 Jahre alt – soll es rund zweimal wöchentlich zu sexuellen Übergriffen, im März oder Mai 2009 zum Geschlechtsverkehr gekommen sein. Der 45-Jährige bestreitet die Taten. Es steht Aussage gegen Aussage.

Zum Prozessauftakt sagte der Vorsitzende Richter Thomas Wolter, dass nach Aktenlage einige Gesichtspunkte für die Richtigkeit der Anklage sprechen: „Es ist wahrscheinlich, dass es zu einer Verurteilung kommt.“ Bei Zweifeln sei ein Freispruch logisch, „doch treffen die Vorwürfe zu, droht eine erhebliche Freiheitsstrafe“. Der Angeklagte könne seiner Tochter durch ein Geständnis ersparen, „dass – entsprechen ihre Vorwürfe der Wahrheit – sie durch ihre Vernehmungen in der Verhandlung ein zweites Mal gequält wird“.

Allerdings gebe es auch bei einem Geständnis keine Bewährungsstrafe: „Eventuell ist eine Sexualtherapie möglich, dafür bedarf es aber einer Strafe von mindestens drei Jahren.“ Erwiesen sich die Anschuldigungen als wahr und leugne er weiter, drohe ihm eine um Jahre höhere Strafe.

„Ich weiß nicht, was sie für ein Problem mit mir hat. Wir sind eine sehr tolle Familie gewesen“, antwortete der Angeklagte. Als mögliches Motiv nannte er einen Streit im Juli 2009 mit seiner Tochter. Danach sei diese bei einem Besuch ihrer leiblichen Mutter bei ihr in Lübeck geblieben.

Die junge Frau stammt aus der ersten Ehe des Angeklagten, die zwei Jahre nach ihrer Geburt geschieden wurde. Im Alter von elf Jahren zog sie zu ihrem Vater, der das Sorgerecht hatte, um bessere Chancen in der Schule zu haben. Das mutmaßliche Opfer ist heute 20 Jahre alt und arbeitet als Bürokommunikationskauffrau. Der Prozess wird fortgesetzt.

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