Stefan Thieme, Florian Lücke und die „Visionsgruppe“ wollen mit der Politik Projekte vorantreiben

„Uelzen steht am Scheideweg“

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„Ausweitung der Ilmenau“: Das Herzstück des Stadtentwicklungskonzeptes von Stefan Thieme und Florian Lücke betrifft die Ilmenau in Höhe des Herzogenplatzes. Der „See-Charakter“ soll die Aufenthaltsqualität in der City deutlich verbessern.

Uelzen. Außerhalb der offiziellen Gremien in Politik und Verwaltung entwickeln derzeit zwei Gruppierungen Ideen, Vorschläge und Konzepte, um die Stadt Uelzen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels zukunftsgerecht zu positionieren.

Während sich die „Visionsgruppe“ nach Worten von Baudezernent Karsten Scheele-Krogull „seit knapp zwei Jahren alle acht bis zehn Wochen außerhalb von Dienstzeiten und Formalien in lockerer Runde bei O-Saft und Bier eher im stillen Kämmerlein“ trifft, hatte die Gruppe um Architekt Stefan Thieme und Rechtsanwalt Florian Lücke am Mittwochabend bereits ihren zweiten Auftritt vor einem größeren öffentlichen Publikum.

Zur Erinerung: Im Oktober vergangenen Jahres hatten Thieme und Lücke auf Einladung der Uelzener Stadtratsgruppe CDU/Grüne/UWG bereits erstmals ihr Stadtentwicklungskonzept unter dem Titel „Uelzen 2020 – Unser Weg in die Zukunft“ vorgestellt (AZ berichtete). Jetzt legten Thieme und Lücke nach. Konkret: Eine erste kurze Internetpräsentation (www.ilmenaustadt-uelzen.de), Visitenkarten und eine Unterschriftenliste geben interessierten Bürgern ab sofort die Möglichkeit, an der parteiübergreifenden Ideenschmiede mitzumachen.

Als Rahmen hat das Architekten- und Rechtsanwaltsduo folgende fünf Schwerpunkte vorgegeben:

• Uelzen als Natur- und Bildungsstandort etablieren

• Die Altstadt stärken (Mot- to: Altstadt statt Innen- stadt“)

• Stadtentwicklungsmanage- ment installieren

• Anschluss an den HVV

• Ausweitung der Ilmenau

Letztgenannter Punkt gilt als Kern des Konzeptes. Denn: „Als Stadt an der Ilmenau müssen wir mit dem Pfund Wasser wuchern. Die Ilmenau ist der Katalysator in unseren Vorstellungen“, betonte Thieme. Ähnlich des Maschsees in Hannover und der Alster in Hamburg könnte eine Ausweitung der Ilmenau auf Höhe des Herzogenplatzes ganz neue Perspektiven bieten. „Attraktive Aufenthaltsqualität, Freizeit für die ganze Familie und eine deutliche Aufwertung der umstehenden Immobilien“ – mit diesen Worten machte der Achitekt den Wert eines „Ilmenau-Sees“ deutlich. Und noch etwas unterstrich Thieme: „Uelzen steht am Scheideweg – wir haben keine Zeit zum Warten!“

Hintergrund: „Uelzen muss einen tiefgreifenden Wandel in der Bevölkerungsstruktur verkraften. Bis zum Jahr 2030 sinkt die Einwohnerzahl um über 15 Prozent, der Anteil älterer Menschen steigt im Vergleich zu anderen Kommunen überdurchschnittlich an, der Anteil junger und einkommensstarker Bevölkerungsgruppen nimmt überproportional ab“, heißt es auf der Internetpräsentation Thiemes und Lückes. Die beiden Vor- und Querdenker analysieren: „Eine wirtschaftliche Abwärtsspirale ist bereits heute deutlich erkennbar und wird in naher Zukunft an Geschwindigkeit erheblich zunehmen.“ Deshalb sei Uelzen aufgefordert, endlich konkrete und nachhaltige Handlungsstrategien zu entwickeln, um dieser Verarmungstendenz zu entkommen.

Um ihre Vorstellungen auch in die Politik und Verwaltung zu tragen, soll noch im Februar ein gemeinsames Gespräch zwischen Lücke, Thieme auf der einen sowie Politik und Verwaltung auf der anderen Seite verabredet werden. Baudezernent Karsten Scheele-Krogull steht sowohl einem Gespräch als auch den Ideen durchaus offen gegenüber. Gegenüber der AZ sagte er gestern: „Viele Vorschläge sind nicht gänzlich neu, verschwanden in der Vergangenheit aber aus Kostengründen wieder in der Schublade. Grundsätzlich finde ich es gut, wenn sich Bürger für die Zukunft ihrer Stadt interessieren und engagieren.“

Wie beispielsweise auch Gerard Minaard. Er hatte in der Vergangenheit nicht nur mit riesigem Engagement die Woltersburger Mühle mit neuem Leben gefüllt, sondern ist auch Mitglied der „Visionsgruppe“. Die Zeit sei jetzt reif, eine Macht zu entwickeln, um mit den Parteien Projekte voranzutreiben, meinte Minaard am Mittwochabend in einer Diskussionrunde während der Veranstaltung mit Thieme und Lücke. Neben Minaard gehören unter anderem Stadtkämmerer Jürgen Markwardt, Ex-Einzelhändler Rainer Schimmel und eben Karsten Scheele-Krogull der „Visionsgruppe“ an.

Sicherlich könnten alle Beteiligten im Sinne der Stadtentwicklung voneinander profitieren, blickte Scheele-Krogull optimistisch nach vorne. In dem Zusammenhang verwies der Bauderzernent auf die „verstärkten baulichen Aktivitäten“ in der Innenstadt. „Wir werden immer interessanter für Investoren. Der Generationswechsel, der derzeit in vielen Bereichen Uelzens greift, kann dabei zweifellos hilfreich sein“, sagte Scheele-Krogull.

Von Andreas Becker

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