Bauernverband sieht Regulierung der Pachtzinsen kritisch / Preisbremse bei Verkauf mache Sinn

Wie teuer darf der Acker sein?

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Die rot-grüne Landesregierung plant, Kauf und Verpachtung von Ackerflächen neu zu regeln. Der Bauernverband Nordostniedersachsen sieht bei den Pachtzinsen zuzeit keinen Handlungsbedarf, eine Deckelung der Kaufpreise hingegen sei sinnvoll.

Uelzen. Um die zum Teil extremen Preissprünge der vergangenen Jahre bei Kauf und Pacht von Ackerland in den Griff zu bekommen, plant die rot-grüne Landesregierung eine Reform des sogenannten Gründstücksverkehrsrechts.

Kurz gefasst verbirgt sich hinter den Überlegungen, eine Pachtpreisbremse ähnlich wie bei der Wohnraummiete einzuziehen. Beim Verkauf von landwirtschaftlichen Flächen sollen örtliche Landwirte künftig beim Erwerb privilegiert werden. Das soll Fremdinvestoren ein Stück weit ausbremsen, bäuerliche Familienbetriebe stärken beziehungsweise Hoffortführungen erleichtern.

Was die Einführung einer Preisbremse bei der Pacht angeht, sieht Thorsten Riggert, Vorsitzender des Bauernverbandes Nordostniedersachsen, für den Landkreis Uelzen kaum Handlungsdruck. „Die Pachten bewegen sich bei uns im Rahmen des Landesdurchschnitts. Ausreißer nach oben gibt es immer“, sagt Riggert, der auch Vorsitzender des Grundstückverkehrsausschusses des Kreistages ist. Dem Gremium sind Grundstücksgeschäfte (Verkauf, Pacht etc.) vorzulegen.

Grundsätzlich lägen die Pachtpreise im Landkreis zwischen 300 und 500 Euro je Hektar, sagt Rolf Fricke, Wirtschaftsberater bei der Landwirtschaftskammer in Uelzen. Im Westen des Landkreises rangierten sie aufgrund besserer Bodenqualität auch schon mal um 800 Euro. Gute Preise für Fleisch und Getreide hätten zwischen 2012 und 2014 die Pachtpreise in die Höhe schießen lassen. Landesweit haben sie sich laut Landwirtschaftsministerium zwischen 2006 und 2015 verdoppelt. Allerdings soll die Bremse erst greifen, wenn der aufgerufene Kurs 30 Prozent über dem aktuellen Durchschnittspreis liegt. „Eine 30-prozentige Steigerung in einem Jahr haben wir bisher noch nicht gehabt. Insofern bringt eine Preisbremse mit dieser Schwelle gar nichts“, sagt Riggert.

Die würde vielmehr Sinn machen, wenn es um den Verkauf von landwirtschaftlichen Flächen ginge. Die angedachte Privilegierung ortsansässiger Bauern könnte für den Verkäufer den Nachteil haben, dass der kaufwillige Nachbar mehr oder weniger den Preis diktieren könnte, so Riggert. Wenn der ortsansässige Landwirt, der einzige sei, der kaufen wolle, und der Verkäufer nicht an jemanden außerhalb der Landwirtschaft verkaufen dürfe, sei ein Preisdiktat de facto da, argumentiert Riggert. „Hier würde eine Preisbremse wirklich Sinn machen“, schlägt er vor. Und das ohne viel Bürokratieaufwand.

Von Jens Schopp

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