Erste Ergebnisse erschreckend

Stadt misst Geschwindigkeiten in Ortsteilen – Lkw mit Tempo 100 im Dorf

+
An der Ortsdurchfahrt Groß Liedern wurde 21 Tage lang Geschwindigkeit gemessen.

Uelzen. Es ist das Reizthema Nummer 1, das die Bewohner in den Uelzener Ortsteilen umtreibt: Es wird innerorts zu schnell gefahren, so ihre Klage immer wieder bei Ortsratssitzungen. Bislang fehlten der Stadt Uelzen die Möglichkeiten, die Aussagen zu überprüfen.

Mit angeschafften Messtafeln zur Geschwindigkeitserfassung hat sich das aber geändert – und Ergebnisse belegen teils die schlimmsten Berichte der Ortsbewohner. So donnern mit mehr als 100 Stundenkilometer Lkw durch Orte.

Die Hansestadt erklärt auf AZ-Anfrage, es gebe „bestimmte Teilbereiche, an denen Maßnahmen eingeleitet werden müssen, weil Verkehrsaufkommen beziehungsweise Geschwindigkeitsniveau zu hoch“ seien.

Die nackten Zahlen offenbaren, was darunter zu verstehen ist. Beispiel Groß Liedern: Eine Messtafel war für 21 Tage im Ort in Höhe des Landmaschinenhandels Meyer installiert worden. Der schnellste Autofahrer wird mit 134 Stundenkilometer gemessen, ein Motorradfahrer bringt es auf 111 km/h. Und ein Lastwagen wird mit 105 Stundenkilometer erfasst. Im weiter südlichen liegenden Hanstedt II kommt ein Lkw sogar auf 107 km/h.

Ortsbürgermeister Wilfried Teichmann (SPD): „77 Prozent aller erfassten Fahrzeuge waren zu schnell unterwegs.“ Spitzenwerte seien vor allem nachts gemessen worden. Neben den Risiken durch mögliche Unfälle bei diesen Geschwindigkeiten ließen die Raser vor allem den Lärmpegel steigen. „Das ist ein Verlust der Lebensqualität“, kommentiert Teichmann. Er fordert deshalb kurzfristig Tempo 30 in der Nacht und auf Sicht Ortsumgehungen für Groß Liedern und Hanstedt II.

Die AZ will von der Hansestadt wissen, welche Konsequenzen sie aus den Messungen zieht: „Bei zu hohem Geschwindigkeitsniveau entscheiden Landkreis beziehungsweise Polizei, die die Ergebnisse bekommen, ob dort Verkehrskontrollen durchgeführt werden“, so Stadtsprecherin Ute Krüger. Bei einem zu hohen Verkehrsaufkommen würden Unfallkommission und der Arbeitskreis Lösungen erarbeiten.

Von Norman Reuter

Kommentare