Aus für Tochterfirma an der Ringstraße / Verdi-Ortschef: Schließung hart für Beschäftigte und Uelzen

Telekom weiter auf dem Rückzug

2014 zeigten die Mitarbeiter noch Flagge: Sie kämpften für den Verbleib von VCS in Uelzen – vergebens. Archivfotos: Reuter

Uelzen. Die Hansestadt Uelzen werde die Folgen zu spüren bekommen, ist Henry Lucchesi, Vorsitzender des Verdi-Ortsverbandes, überzeugt. Am Freitag, 23. September, wird der Uelzener Standort der Vivento Customer Services GmbH (VCS) für immer geschlossen.

Die Deutsche Telekom als Mutterkonzern gibt die Hansestadt als Niederlassungsort auf. An der Ringstraße werden dann keine schriftlichen Beschwerden mehr bearbeitet, auch technische Hilfestellungen per Telefon für Telekom-Kunden wird es aus Uelzen nicht mehr geben. Die Aufgabe des Standortes ist ein weiteres Kapitel im schrittweisen Rückzug der Telekom aus Uelzen, die einst in der Stadt stark vertreten war. Weitere eineinhalb Etagen des Telekom-Gebäudes an der Ecke Ringstraße/Bahnhofstraße werden leer stehen.

2014 hatte sich das Aus der VCS in Uelzen angebahnt. Damals kündigte die Telekom an, VCS-Niederlassungen zu schließen; Arbeitgeber, Konzern-Betriebsrat und Vertreter der Gewerkschaft Verdi verhandelten über die vom Mutterkonzern angestrebte Aufgabe von VCS-Standorten. Uelzen zog den Kürzeren.

Künftig wird es nur noch fünf Niederlassungen in Deutschland geben: Regensburg, Mannheim, Dortmund, Bremerhaven und Braunschweig, weil – so begründet es die Telekom – es sich bei der VCS um ein Beschäftigungs- und Qualifizierungsunternehmen handele, dessen Mitarbeiter wieder direkt in den Konzern integriert werden sollen. Nur ein Konzernumbau und keine Entlassungen? Henry Lucchesi nennt das Vorgehen der Telekom einen „Personalabbau durch die Hintertür.“

Mehr als 140 Mitarbeiter zählte der Uelzener VCS-Standort vor zwei Jahren. Jetzt sind es noch 54, die mit dem Aus zur VCS-Niederlassung in Braunschweig wechseln werden. Zum Verbleib der restlichen 90 Mitarbeiter sagt die Telekom, dass Beschäftigte entweder durch Ruhestandsregelungen und neue Arbeitsstellen aus dem Unternehmen ausgeschieden oder andersweitig innerhalb des Konzerns tätig seien. Lucchesi weiß von Fällen zu berichten, bei denen Beschäftigte eine Anstellung bei der hiesigen Arbeitsagentur erhielten oder nun auch für das Unternehmen „Toll collect“, das die Lkw-Maut auf Autobahnen abwickelt, arbeiten. Für die verbliebenen 54 Mitarbeiter sei es hart, nun künftig nach Braunschweig zu pendeln. Eine Fahrt könne für Beschäftigte bis zwei Stunden dauern. Davon abgesehen erwartet der Gewerkschafter Folgen für Uelzen. Wer nicht in der Stadt arbeite, der werde auch seinen Lebensalltag danach ausrichten. „Die Beschäftigten werden in Braunschweig einkaufen“, so Lucchesi.

Von Norman Reuter

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