Spaß, starke Stimmen und Schattenseiten: Marktstraßen sind an drei Tagen das Mekka für Partygänger

Tausende feiern in Uelzens Innenstadt

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Das Uelzener Stadtfest wurde zur Pilgerstätte für Partygänger und Livemusik-Liebhaber.

Uelzen. Jean-Pierre Pirnack ist in Uelzen zur Schule gegangen. Er erlernte in der Uhlenköperstadt auch einen Beruf. Inzwischen hat er einen neuen Wohnort. Wenn allerdings Stadtfest ist, zieht es in zurück in die Heimat.

Und dies nicht nur als Besucher: Als „JP King“ mit Elvis-Tolle bringt er am Sonnabend und Sonntag Rock´n´Roll zu Gehör. Dem Sound von Chuck Berry, Johnny Cash oder Elvis Presley ist der 37-Jährige verfallen.

Entlang der Marktstraßen waren Getränke- und Essensstände aufgebaut worden. So konnten die vielen Besucher des Stadtfestes sich für die Live-Auftritte der Bands stärken. Bereits am späten Vormittag startete das Programm auf den vier Bühnen.

Sonnabend, 15.45 Uhr: Pirnack setzt zur letzten Zugabe an diesem Nachmittag auf dem Stadtfest an. Er ist einer der ersten Showacts an diesem Tag; mit einer Rockabilly-Version von Robbie Williams’ Lied „Angels“ verabschiedet er sich vom Publikum am Alten Rathaus. Vereinzelt lassen Zuhörer die Hüften kreisen. Noch ist die Zahl der Besucher überschaubar, das wird sich wenige Stunden später geändert haben. An den Nachmittagen sind es vor allem Familien, die anzutreffen sind. Claudia Kühn ist mit Ehemann und zwei Kindern zum Fest gekommen: Wegen des Angebots für die Kinder und: „Wenn in Uelzen etwas los ist, wollen wir das auch unterstützen“, sagt Kühn. Bei sommerlichen Temperaturen wird Eis geschleckt. Knirpse können es gar nicht abwarten, eines der Fahrgeschäfte zu besteigen. An der Bühne an der Gudesstraße staunende Blicke, als der Postsportverein Uelzen mit seiner Taekwondo-Abteilung Übungen vorführt. Mit dem Fuß wird von einem Säbel ein Apfel heruntergeschlagen, Bretter aus Kiefernholz werden mühelos zertrümmert. Auch der Verein SK Delphin Uelzen wollte mit einer Präsentation seiner kleinen Schwimmer für sich werben. Dazu war ein sieben mal zwei Meter großes Becken an der Wachsmuthschen Klinke aufgebaut und mit Wasser befüllt worden. Doch Unbekannte hätten, so erklärt Trainer Eike Hornsmann, am Sonnabendmorgen die Plane aufgerissen. Etwa elf Kubikmeter Wasser ergießen sich gegen 11 Uhr auf die Straße.

„Bon Scott“ gründete sich 1986 und ist wohl die älteste AC/DC-Coverband. Beim Stadtfest ließen die Mitglieder um Kay „Kreische“ Carstens am Sonnabend ihre Mähnen fliegen und der Gitarrenbass erklang.

Die Abende des Stadtfestes gehören den Partygängern und Musikliebhabern. Vor den vier Bühnen drängen sich die Menschen. Aus den Lautsprechern dröhnen die Klänge. Tausende feiern in Uelzens Innenstadt. Dabei zeigen sich auch die Schattenseiten eines solchen Volksfestes.

Für die Rettungskräfte des DRK beginnen anstrengende Stunden. Sascha Heinze, einer der DRK-Einsatzleiter beim Stadtfest, berichtet von einer „aggressiven Stimmung“ durch alkoholisierte Besucher am Freitagabend. Es wurden in dieser Nacht vier gewalttätige Auseinandersetzungen von der Polizei aufgenommen. Am Sonnabend versorgen Rettungskräfte vor allem unter 18-Jährige wegen Kreislaufbeschwerden.

Gegen 20 Uhr am Sonnabend betreten die Musiker von „Heart Rock Café“ die Bühne am Alten Rathaus. Mit Liedern wie „Time to wonder“ von „Fury in the Slaughterhouse“ singen sie Werke, die im Ohr bleiben. Lange genug bis zum nächsten Stadtfest? Frank Wiechel, einer der Organisatoren, sagt, dass schon wieder Verhandlungen mit der Stadt für das nächste Stadtfest vorbereitet werden.

Von Norman Reuter

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