Tattoo-Convention in Uelzen lockt Besucher an

UELZEN -  Das sogenannte „Arschgeweih“ ist abgelöst, im Trend liegen Nacken-Tattoos und „der Kuss des Todes“, berichtet Tätowier-Künstler Nils Bartels aus Braunschweig, „15 Mal allein letzte Woche.“ Ihn zog der Erfahrungsaustausch mit Kollegen und die tolle Stimmung zur Tattoo-Convention in der Uelzener Jabelmannhalle.

Auf einen eigenen Stand musste er aus Zeitmangel verzichten, sagt er. Tattoos markieren schon lange nicht mehr die Außenseiter-Rolle, sondern Individualisten, sie sind gesellschaftsfähig und liegen weiterhin im Trend. Das belegte die Tattoo-Convention eindrucksvoll.

Die Veranstaltung machte Uelzen für zwei Tage zum Mekka für Tattoo-Fans nicht nur aus Norddeutschland. Tattoos, Piercings, Body-Paint, Nagel-Design, Verlängerung von Haar und Wimpern standen im Fokus der Besucher. Zudem gab es Sticker, T-Shirt-Druck und Modeschmuck in allen Variationen vom Stecker für die Nase bis hin zum feschen Minikleid aus feinen Ketten.

„Für mich ist es eine Sucht“, erzählt Markus Graul, der vor mehr als 20 Jahren sein erstes Motiv stechen ließ. „Damals fand ich das einfach nur schön“, zeigt er auf einen unauffälligen Wikinger. Sein erstes Motiv. „Geschichte und Mythos faszinierten mich“, gibt er zu, „ich wollte zeigen, das mir Wikinger etwas bedeuten.“ Schmuck und Kleidung seien austauschbar, meint der Mann aus Kiel. Identität und Präsentation sind die wesentlichen Motive für das Tattoo.

Hinzu kommt eine ästhetische Komponente, „wenn es gut gemacht ist“, sagt Philip Schmidt, während sein Unterarm von Biene aus „Red Corner“, dem einzigen Uelzener Studio auf der Messe, eingefärbt wird. Die Vorlage liegt auf seinem Schoß. „Ein Gorilla-Kopf, weil ich der Silberrücken in der Familie bin.“ Am nächsten Stand entsteht zur gleichen Zeit ein „Engel des Todes“ auf dem Oberarm von Steffi Sahlmann aus Münster. Muli aus Kulmbach sollte ihn stechen, deshalb kam sie nach Uelzen. „Da habe ich zwei Stunden Fahrt gespart.“ Was der Engel mit ihr zu tun hat, kann sie „so auf die Schnelle“ nicht erklären, „aber die Spannung des knienden Engels zeigt, dass er sich im nächsten Moment aufrichten und losfliegen könnte“, interpretiert Muli sein Kunstwerk.

„Wenn ich heute nochmal mit dem Tätowieren anfangen würde“, sinniert Alan aus Lüneburg, der einen sogenannten „Helm“ aus verschiedenen zu einem Gesamtbild arrangierten Motiven auf dem Kopf trägt, „würde ich mir ein Zehnjahres-Konzept erstellen und ein Gesamtkunstwerk schaffen.“ Die Körperoberfläche werde überbewertet, hält er Tattoo-Kritikern entgegen, während ein Grinsen über sein vollständig untätowiertes Gesicht huscht. „Nur da wo Haare wachsen“, betont er, habe er sich tätowieren lassen.

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