120 Tage voller Wetterkapriolen

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Nicht immer reibungslos liefen das Verladen und der Transport der Rüben ins Uelzener Nordzucker-Werk: Schnee und Eis machte den Lieferanten zeitweise einen Strich durch die Rechnung.

Uelzen - Von Bernd Schossadowski. Wolkenbrüche im September, lang anhaltender Frost im November und Dezember und seit Jahresanfang wieder Plusgrade: Die Uelzener Zuckerfabrik hatte in der jetzt zu Ende gegangenen Rübensaison mit extremen Witterungsbedingungen zu kämpfen. „Von den äußeren Bedingungen war es eine sehr schwierige Kampagne“, bilanziert Werksleiter Sven Buhrmann. Doch trotz aller Widrigkeiten ist er mit dem Ergebnis recht zufrieden.

120 Tage dauerte diesmal die Kampagne des Uelzener Nordzucker-Werkes: von Mitte September bis zum 16. Januar. Das waren neun Tage weniger als in der außergewöhnlich langen Saison 2009/10, aber fünf mehr als im langjährigen Durchschnitt. In dieser Zeit wurden in Uelzen rund zwei Millionen Tonnen Rüben verarbeitet – nach 2,3 Millionen Tonnen in der Kampagne des Vorjahres.

„Wir hatten etwas mehr Rüben erwartet“, gibt Buhrmann zu. 57,1 Tonnen wurden im Schnitt pro Hektar geerntet. „Damit liegen wir etwas unter dem fünfjährigen Mittelwert“, sagt Buhrmann. Auch der Zuckergehalt der Feldfrüchte war leicht unterdurchschnittlich.

Die Hauptursache war laut Buhrmann das außergewöhnliche Wetter – „das war wirklich ein Extremjahr.“ Schon zu Beginn der Kampagne im September sorgte Starkregen dafür, dass die Ernte unterbrochen und die Verarbeitung in der Zuckerfabrik gedrosselt werden musste. „Eine Woche konnten wir nur mit halber Kraft fahren“, berichtet Buhrmann.

Erschwerend kam der außergewöhnlich frühe Wintereinbruch in der zweiten Novemberhälfte hinzu. Zwar wurde dadurch die Qualität der Rüben nicht beeinträchtigt, doch froren an vielen Feldfrüchten große Menge Erde und Steine fest. Die Folge waren deutlich schwierigere Produktionsbedingungen in der Fabrik.

Am schlimmsten wirkten sich aber die katastrophalen Straßenverhältnisse im Dezember aus. Auf eisglatten oder schneebedeckten Fahrbahnen kamen die Rübenlaster entweder nur langsam voran oder sie mussten ihre Lieferungen nach Uelzen verschieben. „Besonders betroffen war die B 4, da hat mancher Lkw von Lüneburg nach Uelzen drei Stunden gebraucht“, erinnert sich Buhrmann. Wegen der geringeren Liefermenge konnte die Zuckerfabrik ab der zweiten Dezemberhälfte nur mit verminderten Last fahren – zeitweise mit weniger als 50 Prozent. Auch das Auftauen der Rüben bis zweistelligen Plusgraden im Januar erschwerte die Verarbeitung. Unter den Wetter-Kapriolen litten zwar alle Nordzucker-Werke in Deutschland, „von den Straßenverhältnissen waren wir aber am stärksten betroffen“, erklärt Buhrmann.

Die Uelzener Fabrik habe sich aber technologisch auf diese Extrembedingungen vorbereitet. „Sonst hätten wir deutlich mehr Schwierigkeiten gehabt.“ Buhrmann ist jedoch überzeugt, dass das Werk in der kommenden Kampagne wieder mehr Rüben verarbeiten wird. Es wurden nämlich mit weiteren Landwirten Lieferverträge abgeschlossen, dadurch vergrößert sich die Anbaufläche von 35 000 auf etwa 37 000 Hektar.

Die neue Rübenkampagne wird Mitte September beginnen und voraussichtlich wieder 120 Tage dauern, schätzt Buhrmann. Zunächst ist im Werk aber Durchschnaufen angesagt: „Alle Mitarbeiter gehen jetzt erstmal 14 Tage in Urlaub.“

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