Prozess wegen sexuellen Missbrauchs: Richter gibt alternative zu Urteil zu bedenken

Täter-Opfer-Ausgleich möglich?

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Vor dem Landgericht Lüneburg wird derzeit gegen einen 51-jährigen Uelzener wegen sexuellen Missbrauchs verhandelt.

aja Uelzen/Lüneburg. „Er sollte sich therapeutisch behandeln lassen“, sagt der Jugendliche, der von dem 51-jährigen Angeklagten über Monate sexuell missbraucht worden sein soll (AZ berichtete).

Zuvor hatte der Vorsitzende Axel Knaack den Zeugen und Nebenkläger gestern am Lüneburger Landgericht gefragt, was seiner Ansicht nach mit dem Angeklagten geschehen solle. Der Richter gibt daraufhin den Beteiligten des Strafprozesses zu bedenken, einen Täter-Opfer-Ausgleich in Erwägung zu ziehen. „Es soll sich dabei nicht um einen Betrag handeln, der dem Opfer die Ehre abkauft“, betont Knaack. Es könnte aber der Schuld die Schwere nehmen und Möglichkeiten für eine Strafrahmenverschiebung öffnen.

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Angeklagt des Missbrauchs

Der Angeklagte soll den Jugendlichen, der bei ihm aushilfsweise arbeitete, mehrfach sexuell missbraucht haben. Sieben konkretisierte Tathandlungen hatte die Staatsanwaltschaft angeklagt. Ob der Angeklagte, verheiratet und mehrfacher Familienvater, der laut der Aussage anderer Zeugen außereheliche homosexuelle Kontakte pflegte, im Fall des Opfers pädophilen Neigungen nachging, könne nicht sicher festgestellt werden. Der Angeklagte bestreitet die Taten.

Für die Uelzener Kommissarin, die als erste mit dem Jugendlichen gesprochen hatte, ergebe sich ein schlüssiges, aber typisches Bild für einen sexuellen Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen: Der Junge habe viel bei dem Mann gelernt, wurde von ihm unterstützt und hätte wohl so etwas wie eine Vaterfigur bei dem Angeklagten gefunden.

Wenn der Prozess in zehn Tagen fortgesetzt wird, werden weitere Zeugen sowie die Jugendhilfe gehört. Die Kammer erwartet dann auch eine Stellungnahme der Beteiligten für die Möglichkeiten eines Täter-Opfer-Ausgleich.

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