Täglich vier Stunden Pendelei

In dieses Gebäude an der Göttinger Straße in Hannover ist das Uelzener Telekom-Callcenter umgezogen. Für viele Mitarbeiter bedeutet das deutlich längere Fahrzeiten.Archivfoto: Wallenwein

Uelzen/Hannover - Von Bernd Schossadowski. „Nach zweieinhalb Monaten haben die Mitarbeiter nur noch Sarkasmus und Ironie für diesen Umzug übrig“, sagt Harald Scholz (Name geändert). Er ist einer von rund 20 Uelzenern, die täglich mit der Bahn nach Hannover pendeln müssen, nachdem die Telekom-Tochter Deutsche Telekom Kundenservice GmbH (DTKS) im März ihr Callcenter an der Taubenstraße in Uelzen geschlossen und an die Göttinger Straße 14 nach Hannover verlagert hat (AZ berichtete).

Für die Mitarbeiter bedeutet das bis zu vier Stunden Fahrtzeit pro Tag. „Aus acht Stunden Arbeit werden so mal eben zwölf Stunden“, sagt Scholz und schüttelt verständnislos den Kopf. An den Beschäftigten geht das nicht spurlos vorbei: Ein Kollege hat sich bereits nach Uelzen versetzen lassen und arbeitet nun als Fachassistent bei der hiesigen Agentur für Arbeit. „Die Pendelei nach Hannover und zurück war ihm einfach zu viel“, vermutet Scholz.

In der Tat ist der Weg zur Arbeit und zurück sehr aufwändig. In der Regel um 6.14 Uhr früh fahren fünf bis zehn Uelzener Callcenter-Agenten gemeinsam mit dem Intercity vom Hundertwasser-Bahnhof nach Hannover. Im Zug treffen sie auf zwei Kollegen, die schon um 6.05 Uhr in Bad Bevensen eingestiegen sind. Wenn der IC keine Verspätung hat, trifft er um 6.57 Uhr im Hauptbahnhof von Hannover ein. Dort nimmt die Gruppe um 7.03 Uhr die S-Bahn bis zur Haltestelle Fischerhof – die Fahrtzeit beträgt etwa acht Minuten. Danach ist es noch eine viertel Stunde Fußweg bis zum DTKS-Callcenter im Südwesten der Stadt. „Wir sind meist gegen 7.30 Uhr im Büro, dürfen uns aber erst ab 7.40 Uhr elektronisch einbuchen“, erzählt Scholz.

Noch länger dauert der Rückweg am Nachmittag. Meist endet die Schicht im Callcenter um 16 Uhr. Der Metronom fährt um 16.40 Uhr im Hauptbahnhof ab und kommt um 17.37 Uhr in Uelzen an. Dort ist jedoch Endstation. Die Bad Bevenser Kollegen müssen daher auf den nächsten Metronom in Richtung Norden warten, der erst um 18 Uhr abfährt und neun Minuten später in der Kurstadt ankommt – mehr als zwölf Stunden nach Beginn der morgendlichen Hinfahrt.

„Am Abend ist man einfach nur noch müde“, schildert Scholz die Folgen der Pendelei. „Man isst noch zu Abend, klönt ein bisschen mit der Familie und geht dann ins Bett. Freizeitaktivitäten sind da nicht mehr drin. Das ist schon ein Verlust an Lebensqualität.“ Doch auch der Arbeitgeber schneidet sich seiner Ansicht nach damit ins eigene Fleisch: „Die Leistungsfähigkeit und Motivation der Mitarbeiter ist eindeutig nicht so hoch wie im Callcenter an der Taubenstraße“, hat Scholz festgestellt. 50 Prozent der Energie gingen durch die Fahrt verloren.

Für Scholz ist der Umzug aus Uelzen, wo einst rund 120 Menschen beschäftigt waren, „ein versteckter Jobabbau“. Tröstlich sei da wenigstens, dass die DTKS den Pendlern eine pauschale Entschädigung gewährt. Von dieser müssen die Mitarbeiter aber ihre Zugfahrkarten kaufen. Der Haken an der Sache: Die finanzielle Unterstützung wird nur für die Dauer von drei Jahren gezahlt. „Doch was kommt danach?“, fragt Scholz und schüttelt abermals den Kopf.

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