Uelzener Polizei ermittelt gegen hohe Zahl von verschwundenen Unfallbeteiligten

Täglich flüchten Autofahrer

+

Uelzen. Mehr als einmal täglich wird im Landkreis Uelzen Unfallflucht begangen: Zwischen Januar und Juni wurde gegen 220 Unfallflüchtige im Kreis ermittelt, das sind mehr als im selben Zeitraum 2012.

Am vergangenen Wochenende haben sich, wie berichtet, erst wieder an drei Orten im Landkreis Fahrer unerlaubt vom Unfallort entfernt: An der Schuhstraße und am Bohldamm in Uelzen sowie auf dem Edeka-Parkplatz in Wrestedt.

„Wir haben das Gefühl, dass es immer schlimmer wird“, sagt Carsten Kappey von der Uelzener Polizei. Im Juni zählten er und seine Kollegen 27 Fahrerfluchten, sieben davon haben sie bislang geklärt. Bei einer dieser Kollisionen im vergangenen Monat war eine Person verletzt worden. 42 Prozent aller Flüchtigen in der ersten Jahreshälfte wurden bisher ermittelt.

Die Polizei führt die hohe Zahl an Unfallfluchten auf zwei Faktoren zurück: Senioren, die einen verursachten Blechschaden nicht bemerken, und Fahrer, die aus Sorge um eine Hochstufung in der Kfz-Versicherung vom Unfallort flüchten. Diese Bedenken um höhere Versicherungskosten seien jedoch häufig unbegründet, verweist Kappey auf den Rabattschutz. Mit dieser Erweiterung in der Kfz-Versicherung wird verhindert, dass der Versicherte schon nach einer Schadenszahlung pro Jahr einen höheren Beitrag leisten muss.

Ältere Personen würden aus einem anderen Grund vom Unfallort flüchten: „Viele Senioren sehen den Schaden nicht.“ Das war beispielsweise auch bei jemandem aus dem Landkreis der Fall, der beim Zurückfahren mit seiner Anhängekupplung den Wagen hinter sich beschädigt habe, berichtet Kappey. „Es hat gerumpelt, er ist ausgestiegen und hat sich das Auto angesehen.“ Aber einen Makel habe er nicht erkennen können und sei davongefahren. Nach dem Hinweis eines Zeugen hätten die Beamten herausgefunden, wer der Fahrer war. Kappey berichtet, dass der ältere Mann überrascht über die Nachricht gewesen sei, dass es sich um einen Schaden von „einigen hundert Euro“ handeln könnte. An fast allen Autos gebe es heutzutage Kunststoffstangen, betont er. Wenn jemand dagegen fährt, reißen sie. Die meisten entlarvten Verkehrssünder würden reumütig reagieren, aber wenn sie sich bei der Polizei melden, können sie Glück haben und darauf hoffen, dass das Strafverfahren wegen Unfallflucht eingestellt und der Fall der Bußgeldbehörde übersandt wird.

Kappeys Kollegin habe jüngst mehrere Senioren davon überzeugt, ihre Führerscheine freiwillig abzugeben – in manchen Fällen sei das notwendig, auch wenn das Autofahren für viele Ältere „das letzte Stückchen Freiheit“ sei, wie der Polizeibeamte weiß.

Von Diane Baatani

Kommentare