Rasanter Anstieg von Fotos und Videos

Kinderpornos: Uelzener Ermittler werten jährlich Millionen Dateien aus

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Ein Fahnder des LKA Sachsen-Anhalt wertet Bilder aus – für die Beamten ist das eine hohe psychische Belastung.

Uelzen. Die Zahlen sind ebenso gigantisch wie erschreckend – und sie lassen erahnen, welche Abgründe sich unter dem Deckmantel des Internets beim Handel mit Kinderpornografie verbergen.

Bis zu 3,2 Millionen Videos und 24 Millionen Bilddateien müssen Ermittler der Polizei Uelzen jährlich auswerten, um Straftätern in diesem schmutzigen Geschäft auf die Schliche zu kommen.

Die Zahlen des Jahres 2015 weisen einen rasanten Anstieg in diesem Kriminalitätsfeld auf „und für die Kollegen ist das gleich in mehrfacher Hinsicht eine große Belastung“, sagt Hans-Jürgen Nischk, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes in Uelzen. Zum einen wegen des enormen Arbeitsaufwandes, zum anderen aber auch wegen der Bilder, mit denen die Ermittler konfrontiert werden. „Da gibt es ähnliche Belastungssymptome wie bei der Konfrontation mit Leichen etwa bei Tötungsdelikten, Selbstmorden oder auch Verkehrsunfällen“, weiß Nischk.

Zwei besonders geschulte Mitarbeiter werten bei der Polizei Uelzen die bis zu 40 Terrabite umfassenden Dateneingänge aus, sie begutachten bis zu 10 000 Bilder am Tag. Die verantwortlichen Kriminalbeamten werden begleitend psychologisch betreut. „Und wer diese Arbeit nicht mehr machen möchte, wird aus Fürsorgegründen sofort mit einer anderen Tätigkeit betraut“, betont der Leiter des Ermittlungsdienstes.

Die Arbeit ist auch deshalb so umfangreich, weil es nicht wie etwa bei Betrugsdelikten reicht, nur einen Teil des umfangreichen Materials für eine schlagkräftige Anklageschrift zu begutachten. „Jedes Bild muss ausgewertet werden, damit kein Opfer und auch kein Hinweis auf den Herstellungsort übersehen wird“, schildert Nischk.

Das Problem des ausufernden Handels mit Kinder- und Jugendpornografie wuchs parallel mit der Bedeutung des Internet. Und für die speziellen Dienststellen beim Bundes- und Landeskriminalamt ist es ein Kampf gegen Windmühlen.

Nicht immer sind es die professionellen Straftäter, die auf diesem Gebiet tätig sind. „Wir verzeichnen auch einen sorglosen Umgang junger Menschen zum Beispiel mit Nacktfotos über Foren wie Whats App“, erklärt Nischk. Zum einen unterschätzen die Betroffenen dabei die unsichere Verschlüsselung, zum anderen aber auch, dass sie sich strafbar machen, wenn die Bilder beim falschen Adressaten landen.

Von Thomas Mitzlaff

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