Suche nach Seifenblasen

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Fast jeder Hund kann Mantrailer werden, nur Möpse und Bulldoggen haben es schwerer. Momo und seine Halterin Petra Mannig gehören seit einem Jahr zum Team.

Uelzen - Von Diane Baatani. Tatort Veerßer Straße: Momo streckt im Laufschritt seine Nase in die Hauseingänge, hebt hier und dort den Kopf, wechselt ruckartig die Richtung und erhöht immer mehr sein Tempo, je näher er seinem Ziel kommt.

Als die Suchhündin ihr Ziel an der Ecke Schuhstraße/ Herzogenplatz in Uelzen erreicht, gibt es zur Belohnung einen Topf voll Würstchen, an anderen Tagen auch mal Spaghetti Bolognese oder Joghurt. Momo ist geprüfter Mantrailer, sie kann Menschen aufspüren, egal, ob sie sich von dem Punkt, an dem sie zum letzten Mal gesehen wurden, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto entfernt haben. Der sechsjährige Mischling aus Golden Retriever und Sheltie gehört zu einer Rettungsstaffel von Suchhund.org aus Lüneburg, die schon häufiger im Ernstfall eingesetzt wurde.

Dreimal pro Woche trainiert Momo mit fünf anderen Hunden in einer Staffel, den individuellen Geruch von Menschen zu verfolgen. Daneben gibt es in Lüneburg derzeit noch rund 50 Hunde, die „aus Spaß“ an wöchentlichen Sport-Mantrailing-Kursen teilnehmen. Trainer Uli Exner bildet ab Januar auch in Uelzen die Vierbeiner zu Suchhunden aus. Zum Test hat die Rettungsstaffel ein ausnahmsweise kurzes Versteckspiel in die Uelzener Innenstadt verlegt.

Eine Teilnehmerin, Elena Pfuhl, läuft durch die Veerßer Straße, um den Herzogenplatz und hinterlässt währenddessen wie jeder Mensch 40 000 Hautschuppen pro Minute. „Das muss man sich vorstellen wie Seifenblasen und als würde jeder Mensch Seifenblasen in einer bestimmten Farbe hinterlassen“, sagt Pfuhl. Momo wird ein Gegenstand entgegengehalten, an dem der Geruch der gesuchten Person hängt. Daraufhin nimmt sie diese Spur von Hautpartikeln auf, unterscheidet sozusagen Pfuhls „Seifenblasen“ von denen der vielen anderen Menschen, die in den Wochen und Monaten zuvor denselben Weg benutzten. Hündin und Hundehalterin Petra Mannig müssen sich dabei gut konzentrieren, denn an Momos schnellen Bewegungen ist abzulesen, ob sie sich ihrer Sache sicher ist. Zögert sie, dann hilft es, wenn Mannig sie dazu ermuntert, eine andere Richtung zu wählen.

Plötzlich spricht alles für leichte Verwirrung: Auf Höhe der Sparkasse möchte Momo die Straßenseite wechseln, aber schon bald wird deutlich, dass nur einige der Partikel von vorbeifahrenden Autos aufgewirbelt und über die Fahrbahn hinweg geweht wurden, erklären die Kurs-Teilnehmer. Momo läuft schneller und auch ihr Begleit-Team verfällt in einen schnellen Laufschritt, um mithalten zu können. Schließlich biegt der Mischling um die Hausecke in die Schuhstraße ein, visiert Elena Pfuhl an, die den erschöpften Mantrailer mit seinem Würstchen-“Jackpot“ empfängt.

Gerade bei den hohen Minusgraden haben es die Hunde bei der Suche schwer. Die Spur lässt sich schlechter verfolgen, wenn es extrem kalt oder extrem warm ist.

Den Teilnehmern liegt nicht nur am Training. Sie bieten auch ehrenamtlich ihre Hilfe an, wenn jemand, etwa aus einem Altersheim, als vermisst gemeldet wird. Wenn sie lange Anfahrten dafür auf sich nehmen, lassen sie sich die Benzinkosten ersetzen. Im Herbst etwa fuhr das Team nach Magdeburg, um dort einen jungen Mann zu suchen, der nach dem Besuch in einer Diskothek als vermisst gemeldet worden war. Die Spürhunde der Polizei waren bereits erfolglos im Einsatz gewesen, berichtet Exner. Von der Mutter des Vermissten beauftragt, hätten die Mantrailer festgestellt, dass die Spur des Mannes Richtung Hafenbecken führte. Die Polizei setzte Taucher ein, die ihn jedoch nicht fanden, so der Staffel-Leiter. Nach wenigen Wochen sei die Leiche des Vermissten tatsächlich aus dem Hafen-Wasser aufgetaucht.

Durch das Training entsteht eine „positive Mensch-Hund-Beziehung“, stimmen die Hundeliebhaber überein. Momo zum Beispiel sei anfangs gegenüber Fremden fast scheu aufgetreten. Mittlerweile habe sie diese Scheu überwunden und sei selbstsicherer geworden, erklärt Petra Mannig.

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