Prozess um totes Baby: Gynäkologin attestiert Angeklagten unreifes Verhalten

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Uelzen/Lüneburg. Im Prozess um einen toten Säugling vor dem Landgericht Lüneburg haben eine Gynäkologin und die Mutter des Freundes der Angeklagten ausgesagt. Beide attestierten der 21-Jährigen Uelzenerin ein unreifes Verhalten.

Wegen starker Bauchschmerzen und Blutungen habe die 48-jährige Zeugin die Freundin ihres Sohnes ins Krankenhaus nach Celle gebracht, berichtete sie im Prozess gegen die Uelzenerin, die im vergangenen November ihr Kind kurz nach der Geburt getötet haben soll.

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In der Klinik habe die 48-Jährige erst erfahren, dass die 21-Jährige wenige Tage zuvor ein Kind geboren haben müsse. Der Freund der Angeklagten war zu der Zeit im Einsatz in Afghanistan. „Wo ist das Baby?“, beschrieb die Frau ihren ersten Gedanken. „Es ist doch mein Enkelkind“, habe sich die Mutter vier erwachsener Kinder gedacht, „da wusste ich noch nicht, ob mein Sohn ahnte, dass seine Freundin schwanger war“.

Dr. Anna Meyersburg, Gynäkologin im Allgemeinen Krankenhaus Celle, habe schnell erkannt, dass ihre junge Patientin gerade erst von einem Kind entbunden worden sei. „Weil die Patientin leugnete, ein Kind auf die Welt gebracht zu haben, überhaupt schwanger gewesen zu sein, informierte ich den Oberarzt“, berichtete die Ärztin vor der Jugendkammer des Landgerichts. Schon kurz darauf war von Polizeibeamten in der Uelzener Wohnung des jungen Paares der Leichnam eines kleinen Mädchens in einem Abfallbeutel entdeckt worden.

„Ja, wir haben öfter Frauen, die erst bei Entbindung bemerken, dass sie schwanger waren“, bestätigte die Gynäkologin, „häufiger sind es sehr junge Frauen, die von einer verdrängten Schwangerschaft betroffen sind.“ Auch sei es durchaus möglich, dass Frauen im Geburtsvorgang Komplikationen erleiden, die eine bewusste Wahrnehmung der Geburt unterbinden. „In so einer Situation ist vieles möglich.“

Der Uelzener Hausarzt der Angeklagten sagte in einer telefonischen Befragung durch den Vorsitzenden Richter der Jugendkammer, Axel Knaack, dass aus seinen Unterlagen keine Untersuchung der jungen Frau im achten Schwangerschaftsmonat hervorgehe. Die Angeklagte hatte beim Prozessauftakt ausgesagt, dass selbst der Hausarzt wenige Wochen vor der vermeintlichen Geburt eine Schwangerschaft nicht erkannt habe. Nun ist es an der 21-Jährigen, eine Quittung über ihren Arztbesuch vorzuweisen.

Obwohl die junge Frau zwei Wochen nach dem grausigen Fund das 21. Lebensjahr vollendet hatte, klagte die Staatsanwaltschaft die Kindstötung bei der Jugendkammer des Landgerichts an. Für den Vorsitzenden geht es darum, ob im Falle eines Urteils nach Erwachsenenstrafrecht vorgegangen wird oder ob die Auszubildende wie eine Jugendliche zu bestrafen ist. Sorgfältig hinterfragte Verteidiger Volker König aus Uelzen, was beide Zeuginnen mit einem „unreifen“ Verhalten der Angeklagten meinten. „Sie wirkte im Untersuchungszimmer nicht wie eine junge Frau, sondern antwortete auf meine Fragen wie ein kleines Mädchen“, erinnerte sich die Gynäkologin an das Gespräch mit der Angeklagten. „Sie war lieb und nett, nie unfreundlich, immer höflich“, beschreibt auch die Mutter des Kindsvaters das Verhalten der Angeklagten. „Ich traute ihr durchaus zu, einen Haushalt zu führen und ihre Ausbildung zu Ende zu bringen“, erzählte sie. „Doch im Vergleich zu meinen Kindern verhält sie sich unbedarft und naiv wie ein Teenager.“

Am Freitag wird der Prozess, der bis zum 10. Juli terminiert ist, mit weiteren Zeugen fortgesetzt. Dann wird unter anderem auch die Mutter der Angeklagten vernommen.

Von Angelika Jansen

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