Anhänger der HSV-Fußballer gründen vor zehn Jahren einen Fanclub für Uelzen

Stütze auch in Sturmzeiten

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Jubel – in besseren Zeiten, als der HSV noch in der Europa League mitmischte. Gemeinsam reisten die Fans zu den Partien und lernten dabei auch Länder und Städte kennen.

Uelzen/Landkreis. Im Stadion von Aachen regnet es an diesem Tag in Strömen. Für die Fußballer des HSV wäre ein Sieg bei der Alemannia ein Befreiungsschlag.

Doch in der 90 Minute, der Hamburger Sportverein liegt knapp mit 3:2 vorn, köpft Abwehrspieler Bastian Reinhardt den Ball als Eigentor ins Netz. Ausgleich, Abpfiff – das ist der Augenblick, in dem sich auch bei Julian Buchop die Schleusen öffnen wollen. Zehn Jahre liegt das Eigentor nun zurück, aber „das sind Momente, die vergisst du nicht“, sagt Buchop, der damals in Aachen mit den HSV-Fans im Regen stand. Seit Kindesbeinen spielt der gebürtige Roscher selbst Fußball und „liebt“ seinen HSV. Mit Freunden gründete er den Uelzener Fanclub „Born in 1887“, dessen Gründung sich in diesen Tagen zum zehnten Mal jährt.

Mit Freunden gründete Julian Buchop (Mitte) den Fanclub. Die Mitglieder fahren regelmäßig zu den Spielen.

Morgen soll das Jubiläum mit Uelzenern in der Jabelmannhalle gefeiert werden – und natürlich mit den Clubmitgliedern. Knapp 100 sind es, berichtet Buchop. Zu Spitzenzeiten seien es 130 gewesen. „Wenn die Mannschaft oben spielt, auch in Europa mitmischt, dann hat jeder Bock auf den Verein“, sagt der 28-Jährige. Als Fan geht er mit dem HSV durch gute wie durch schlechte Zeiten – die schlechten haben in den vergangenen Jahren überwogen. Zwei mal gelang dem HSV der Klassenerhalt in der ersten Bundesliga nur durch Siege in den Relegationsspielen. Vergangene Saison landete die Elf im Mittelfeld, doch wegen Personalquerelen unter anderem um Torwart Jaroslav Drobny wirkte der Verein alles andere als erstklassig. Die Situation treibt die Fanclubmitglieder um, Buchop ist der Meinung: Der HSV „hätte absteigen müssen“. Auch dann wäre es noch sein HSV gewesen. Das sind deutliche Worte, doch für wen spiele eine Mannschaft? Sind es nicht die Fans, die eine Elf tragen? Was wäre, wenn niemand mehr zu den Spielen führe?

Um die Mannschaft live erleben zu können – in der Gemeinschaft von Fans – entstand auch die Idee zum Fanclub. Er ist nicht der einzige in der Region Uelzen. Mindestens drei weitere gibt es: Die Eulen, die Legion Uelzen, die Rabauken. Buchop sagt, dass „Born in 1887“ ein offiziell angemeldeter Fanclub ist. Der Vorstand und die Mitglieder organisieren Fahrten zu Heim- und Auswärtsspielen. In der Hamburger Nordkurve stehen sie hinter ihrer Mannschaft. Dabei gilt die Devise: „Wir wollen eine friedliche Gemeinschaft sein.“ In den ersten Jahren trafen sich die Mitglieder auch zu Stammtischen. Mittlerweile planen sie Aktionen im Jahresverlauf wie ein Grillen zum Saisonabschluss. „Der Fanclub ist aus Freundschaften entstanden und durch ihn fanden wir wieder Freunde.“ Gemeinsam kicken die Mitglieder auch bei Fußball-Turnieren. So lief der Fanclub „Born in 1887“ gegen die 3. Mannschaft des Hallischen FC auf. Man hat verloren. Aber das Erlebnis zähle.

Von Norman Reuter

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